• © Qui Nguyen via Unsplash

    Korallen unter Druck: Die Charité erforscht die Widerstandsfähigkeit der Riffe

Wer schon einmal tauchen war, hat sie vielleicht gesehen: Korallenriffe beherbergen rund ein Viertel aller Meereslebewesen und schützen Küsten vor Sturmfluten. Doch der Klimawandel bedroht ihre Existenz: Steigende Wassertemperaturen und die zunehmende Versauerung der Ozeane setzen den Riffen massiv zu. Forscher*innen der Charité – Universitätsmedizin Berlin arbeiten gemeinsam mit der Universität Haifa daran, besser zu verstehen, wie widerstandsfähig Korallen gegen diese Veränderungen sind. 

Zähne und Korallen: eine überraschende Verbindung 

Das Projekt ist am Charité-Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wilmersdorf angesiedelt, was zunächst überrascht. Der Zusammenhang wird deutlich, wenn man weiß, dass Korallenskelette und Zähne aus demselben Grundprinzip bestehen: Beide sind mineralisierte Gewebe, die in der Natur wachsen. Die Expertise des Instituts in der Analyse von Knochenstrukturen lässt sich direkt auf die Untersuchung von Korallenskeletten übertragen. 

Seit 2020 sammeln Meeresbiolog*innen der Universität Haifa Korallenlarven aus dem Roten Meer und züchten sie in Aquarien unter kontrollierten Bedingungen heran. Einige wachsen unter heutigen Säurebedingungen auf, andere unter einem höheren Säuregehalt, der den für das Ende des 21. Jahrhunderts prognostizierten Zustand der Ozeane simuliert, wenn die Treibhausgasemissionen nicht signifikant sinken. 

Röntgenblicke ins Innere des Skeletts 

Um zu verstehen, wie das saurere Wasser die Struktur der Korallenskelette verändert, nutzen die Berliner Forschenden Röntgenstrahlung am Helmholtz-Institut in Adlershof. Die Methode ermöglicht es, chemische Elemente im Material aufzuspüren und dreidimensionale Modelle der Mineralbildung zu erstellen. Dabei machten die Forscher*innen eine überraschende Entdeckung: Das saure Wasser verändert nicht nur die äußeren Bereiche des wachsenden Skeletts, sondern auch sein Inneres. 

Korallen, die unter erhöhtem Säuregehalt aufwuchsen, entwickelten kleinere Skelette als ihre Artgenossen unter heutigen Bedingungen. Gleichzeitig bildeten sie dichtere Skelettbereiche aus. Diese höhere Dichte könnte bedeuten, dass die Tiere belastbarer gegenüber Säure und Wärme sind, als bislang angenommen. 

Was die Ergebnisse bedeuten 

Die Befunde könnten erklären, warum Korallen in der Erdgeschichte bereits Phasen extremer Hitze und Kälte überlebt haben. Sie deuten darauf hin, dass Korallen eine gewisse Anpassungsfähigkeit besitzen, die ihnen helfen könnte, den Klimawandel zu überstehen. Ein Grund zur Entwarnung ist das jedoch nicht: Das Ökosystem der Korallen ist zu komplex, um heute schon präzise vorherzusagen, wie stark die Klimakrise die Riffe bis zum Ende des 21. Jahrhunderts treffen wird. Die Forschungsarbeit der Brain City Berlin leistet dabei einen wichtigen Beitrag, diese Frage Stück für Stück zu beantworten. 

Weiterführende Informationen: 

Mehr Stories