• Mit steinbewehrten Entwässerungskanälen lässt sich Erosion mit minimalen Kosten bekämpfen. © Terrartives, Crete, Greece

    Klimaschutz, wo andere Urlaub machen: Wie Berliner Forschung den Mittelmeerraum resilienter macht

Extreme Hitze, Wasserknappheit und Überschwemmungen setzen nicht nur Ökosysteme und Landwirtschaft unter Druck, sondern zunehmend auch Städte und touristische Infrastrukturen. Wie sich der Mittelmeerraum an diese Herausforderungen anpassen kann, erforscht nun ein internationales Konsortium unter Leitung der TU Berlin. In den kommenden drei Jahren werden naturbasierte Lösungen für ein klimaresilientes Wasser- und Risikomanagement erforscht. 

Das Forschungskonsortium besteht aus acht Institutionen, geleitet vom Team von Prof. Dr. Boris Heinz am Fachgebiet „Community Energy and Adaptation to Climate Change“ der TU Berlin. Es hat insgesamt 2,7 Millionen Euro vom Förderprogramm Horizon Europe der Europäischen Union erhalten.
Mit dem Projekt „FLOW4Med“ stärkt die TU Berlin ihre Forschungs- und Transferaktivitäten rund um Wassermanagement und naturbasierte Lösungen im Mittelmeerraum. Rund 574.000 Euro kommen von der EU direkt an die TU.  
Über 36 Monate hinweg wird das Vorhaben naturbasierte Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel demonstrieren, bewerten und skalieren. Dafür gibt es drei Pilotstandorte, jeweils in einem urbanen, einem ländlichen und einem semi-ländlichen Gebiet. Dort zeigen die Forschenden, welche Lösungen für Herausforderungen wie Wasserknappheit, Überflutungsrisiken und Hitze in Frage kommen.  

Klimahotspot Mittelmeerraum 

Der mediterrane Raum ist nicht nur ein ökologischer Hotspot, sondern auch eine der beliebtesten Urlaubsregionen Europas. Millionen Menschen reisen jedes Jahr in die Region, deren Wasserressourcen, Landschaften und Städte zunehmend unter dem Klimawandel leiden. Zu dessen Folgen gehören extreme Hitze, häufigere Dürren, Wasserknappheit, Waldbrände und der Verlust der biologischen Vielfalt – Herausforderungen, die schon heute verstärkt auftreten. 
Diese Entwicklungen sind eng miteinander verknüpft und verschärfen auch die sozio-ökologischen Herausforderungen in der Region. Wasserknappheit und extreme Wetterereignisse sind übergeordnete Probleme. Und Faktoren wie sinkende Wasserverfügbarkeit und -qualität, steigender Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft sowie Biodiversitätsverluste gefährden die Stabilität der miteinander verflochtenen Systeme von Wasser, Energie, Ernährung und Ökosystemen weiter.  

Projekte im Libanon, auf Kreta und in Kairo 

Naturbasierte Lösungen bieten eine Antwort: Sie helfen bei der Klimawandelanpassung. Als Maßnahmen zum Schutz, zur nachhaltigen Bewirtschaftung und zur Wiederherstellung von Ökosystemen können sie im Mittelmeerraum positive Änderungen bewirken.  

Das Projekt FLOW4Med untersucht naturbasierte Lösungen an drei Pilotstandorten im Mittelmeerraum, die unterschiedliche klimatische, soziale und räumliche Bedingungen abbilden:  

  1. In Akkar (Libanon) wird ein künstlich angelegtes Feuchtgebiet zur Wasserreinigung und zur Wassernutzung in der Landwirtschaft erprobt. 

  2. Auf Kreta (Griechenland) steht die ganzheitliche Regeneration von Ökosystemen im Fokus, um Überflutungsrisiken zu reduzieren und Wasser in Agroforstsystemen zu speichern. 

  3. In Kairo (Ägypten) werden Maßnahmen der grünen Infrastruktur und Landschaftsgestaltung umgesetzt, die zur städtischen Kühlung beitragen und die Wasserwiederverwendung unterstützen. 

Naturbasierte Lösungen als soziale Innovationen 

Das Projekt FLOW4Med, offiziell „Fostering Landscape-scale Adoption of NBS for Water Security: Strengthening Mediterranean Ecosystem Resilience against Climate Extremes“, versteht naturbasierte Lösungen nicht nur als reine Infrastrukturmaßnahmen, sondern als soziale Innovationen. Denn sie stellen gemeinschaftlich getragene Veränderungsprozesse dar, die langfristig nur dann funktionieren, wenn sie unter realen Bedingungen erprobt und lokal verankert werden. Deshalb arbeitet das Projekt mit sogenannten Living Labs, in denen Zivilgesellschaft, Nutzer*innen, Verwaltung, Politik und Wissenschaft die Lösungen gemeinsam entwickeln, in der Praxis testen und iterativ verbessern. Partizipative Forschung verbindet dabei das Wissen nicht-wissenschaftlicher Akteur*innen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und richtet die Entwicklung an konkreten Bedürfnissen, Nutzungskonflikten und Bedenken aus.  
Bürger*innen und Endnutzer*innen werden somit aktiv in den Ko-Kreationsprozess einbezogen. Das stärkt die Akzeptanz und Legitimität der Maßnahmen, erhöht die Effektivität und Umsetzbarkeit im Alltag und trägt dazu bei, dass naturbasierte Lösungen inklusiver, sozial gerechter und dauerhaft tragfähig werden. So trägt das Projekt dazu bei, den Mittelmeerraum als Lebens- und Urlaubsregion auch unter veränderten Klimabedingungen langfristig zu erhalten. 

Zusätzliche Informationen: 

Konsortialpartner in dem Projekt sind neben der TU Berlin die Berliner Nichtregierungsorganisation Hudara, die Universität Balamand im Libanon, das Mediterranean Agronomic Institute of Chania (Maich) und das Unternehmen Terratives auf Kreta, die Ain Shams Universität in Kairo, das Ägyptische Unternehmen Integrated Development Group sowie die Nichtregierungsorganisation Wadi for Sustainable Development in Jordanien. Es gibt drei weitere assoziierte Partner, die das Projekt begleiten, darunter das Umweltberatungsunternehmen Etifor aus Italien. Zwei weitere werden während der Projektlaufzeit identifiziert und einbezogen. 

Webseite des Fachgebiets: https://www.tu.berlin/ceacc 

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