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    Gemeinsam forschen, gemeinsam denken: Berliner Einrichtungen bündeln ihre Kräfte in der Materialforschung

Ob im Chip des Smartphones, in der Solarzelle auf dem Dach oder im Akku des E-Bikes: In vielen Dingen, die wir täglich nutzen, stecken Werkstoffe, die zuvor oft über viele Jahre in Laboren entwickelt und getestet wurden. Bis ein neues Material einsatzbereit ist, untersuchen Forschende zahlreiche Varianten und erzeugen dabei große Mengen an Messdaten. Daten sind deshalb das Rohmaterial der modernen Materialforschung. Genau hier setzen fünf Forschungseinrichtungen der Brain City Berlin nun gemeinsam an. 

Mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) im Sommer 2026 haben das NFDI-Konsortium FAIRmat der Humboldt-Universität zu Berlin, das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ), das Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik (PDI) und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Forschungsdateninfrastrukturen, einheitliche Standards für Daten und Metadaten sowie der Einsatz von KI-Methoden in der Materialforschung. 

FAIRmat: fünf Jahre Aufbauarbeit, jetzt zweite Förderphase 

Das MoU fällt in eine Zeit des Aufbruchs für FAIRmat. Das Konsortium, das seit seiner Gründung 2021 an der HU Berlin koordiniert wird, hat im Juli 2026 die Nachricht bekommen, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seine Förderung verlängert. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder hat FAIRmat zusammen mit neun weiteren NFDI-Konsortien für eine zweite Förderperiode bestätigt. 

„Die Fortsetzung der Förderung ist eine wichtige Anerkennung der Fortschritte, die FAIRmat in den letzten fünf Jahren erzielt hat, und ein Bekenntnis zur Zukunft", sagt Prof. Dr. Claudia Draxl, Sprecherin von FAIRmat und Professorin für Physik an der HU Berlin. „Forschungsdatenmanagement ist zu einem wesentlichen Bestandteil moderner Forschung geworden. Die zweite Förderperiode ermöglicht es uns, unsere Dienstleistungen weiter auszubauen, die Zusammenarbeit mit Forschenden und Partnerinstitutionen innerhalb und außerhalb der NFDI zu stärken und weiterhin Lösungen zu entwickeln, die eine offene, reproduzierbare und datengestützte Wissenschaft ermöglichen." 

In der zweiten Phase setzt FAIRmat einen neuen Schwerpunkt: „Enabling Data-driven Science". Im Vordergrund steht der verstärkte Einsatz von KI für datengestützte Wissenschaft. Grundlage dafür ist die NOMAD-Plattform, die FAIRmat für die Festkörperforschung entwickelt hat und die ein breites Portfolio an Tools für die Verarbeitung, Speicherung, Analyse und Nachnutzung von Forschungsdaten umfasst. 

Ein gemeinsamer Datenraum für die Materialforschung 

Das MoU baut auf dieser Grundlage auf. Ziel der Kooperation ist es, Forschungsdaten institutionsübergreifend nutzbar zu machen. Bisher arbeiten Einrichtungen oft mit unterschiedlichen Formaten und Systemen, was die gemeinsame Nutzung von Daten erschwert. Mit dem MoU schaffen die fünf Partner die Voraussetzung dafür, dass Daten aus verschiedenen Laboren zusammengeführt, verglichen und gemeinsam ausgewertet werden können. 

Prof. Dr. Bernd Rech, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZB, betont die strategische Bedeutung dieses Schritts: „Die Zukunft der Materialforschung ist datengetrieben. Hochwertige Forschungsdaten und Metadaten bilden die Grundlage für Künstliche Intelligenz und für Self-Driving Laboratories, vollautomatisierte Forschungslabore, die Robotik und KI kombinieren. Mit der Kooperation schaffen wir eine wichtige Voraussetzung, diese Entwicklung gemeinsam voranzutreiben und Berlin als einen führenden Standort der digitalen Materialforschung weiter auszubauen." 

Unterzeichnung beim FAIRmat-HZB Symposium 

Die Unterzeichnung fand am 20. Juli 2026 im Rahmen des FAIRmat-HZB Symposiums zum Thema „The Digital Future of Materials Science" statt. Den Eröffnungsvortrag hielt der international renommierte Wissenschaftler Giorgio Rossi von der Universität Mailand und dem NFFA-Netzwerk, der die Bedeutung gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen für die datengetriebene Wissenschaft hervorhob. Draxl zeigte anschließend, wie die NOMAD-Plattform die Materialforschung auf neue datengetriebene Ansätze vorbereitet. Eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Driving the Cultural Change" griff die Frage auf, welche Veränderungen notwendig sind, damit Forschungsdaten und KI ihr volles Potenzial entfalten können. 

Erster Praxistest: Projekt ASCEND 

Die Kooperation ist nicht nur eine Absichtserklärung. Mit dem Projekt ASCEND zeigt das HZB bereits, was ein gemeinsamer Datenraum in der Praxis leisten kann: Das Projekt nutzt institutionsübergreifende Dateninfrastrukturen, um die Entwicklung neuer Materialien zu beschleunigen. 

Für die Brain City Berlin sind das MoU und die verlängerte FAIRmat-Förderung zusammen ein starkes Signal: Fünf Einrichtungen, die ihre Daten bislang in getrennten Systemen verarbeiteten, schaffen nun gemeinsam die Grundlage für die Materialwissenschaft von morgen. 

 

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