• © Essi Glomb / Weißensee Kunsthochschule Berlin

    Design trifft Technologie: Hannah Friederike Fischer vom DFKI Berlin im Interview

Was passiert, wenn eine Designerin anfängt, über Künstliche Intelligenz nachzudenken? Im Fall von Hannah Friederike Fischer entsteht daraus eine intelligente Hose, die Kindern mit Gangstörungen hilft, ihre Physiotherapie als Computerspiel zu erleben. Fischer ist Produktdesignerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in der Brain City Berlin, im Fachbereich Design Research Explorations unter der Leitung von Prof. Dr. Gesche Joost. 

Von Modedesign zu Wearable Computing 

Ihr Weg in die Forschung war alles andere als geradlinig, und genau das prägt ihre Arbeit. Fischer studierte zunächst Kunst- und Medienwissenschaften, dann Modedesign an der Universität der Künste Berlin und schloss mit einem Master in Produktdesign an der FH Potsdam ab. Heute liegt ihr Forschungsschwerpunkt an der Schnittstelle von Designforschung, Mensch-Technik-Interaktion und Materialgestaltung. 

„Ich habe schon immer Freude daran gehabt, unterschiedliche Disziplinen miteinander zu verbinden", sagt sie. „Ich verstehe Design nicht nur als das Gestalten von Produkten, sondern als einen Forschungsprozess." In ihrer Arbeit verbindet sie partizipative Methoden, Co-Design-Prozesse und Prototyping, um gemeinsam mit Nutzer*innen Lösungen zu entwickeln, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugen. 

Die intelligente Hose: ein Beispiel aus der Praxis 

Ein konkretes Beispiel für diesen Ansatz ist das Projekt Space Explorer (TexaS). Dabei entwickelten Fischer und ihr Team gemeinsam mit betroffenen Kindern, Eltern, Physiotherapeut*innen und weiteren Expert*innen eine intelligente Hose für Kinder und Jugendliche mit Gangstörungen. Sensoren in der Hose erfassen Bewegungen wie Schritte, Kniebeugen oder Tritte und übertragen sie in eine spielerische Weltraumwelt, in der ein Avatar gesteuert wird. „Dadurch werden physiotherapeutische Übungen nicht nur als Therapieaufgabe erlebt, sondern als interaktive Erfahrung, die Motivation und Selbstständigkeit fördern kann", erklärt Fischer. 

Besonders wichtig war dabei die Frage der Zugänglichkeit: Wie muss ein Wearable gestaltet sein, damit es auch von Menschen mit eingeschränkter Mobilität eigenständig genutzt werden kann? Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Design, Technologie und Medizin zusammenkommen können, um neue Formen der Teilhabe im Alltag zu ermöglichen. 

Menschenzentrierte KI am DFKI 

Am DFKI schätzt Fischer vor allem die Interdisziplinarität. Das Institut arbeitet in Forschungsverbünden mit Universitäten, Kliniken, Unternehmen und anderen Forschungseinrichtungen zusammen, sodass sehr unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. In ihrem Bereich Design Research Explorations lautet die zentrale Frage dabei nicht: Was ist technisch möglich? Sondern: Was brauchen Menschen wirklich? „Nicht die Technologie steht im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die sie nutzen", sagt Fischer. „Für mich ist genau das menschenzentrierte Technologie." 

Die projektbasierte Forschung bedeutet auch, sich regelmäßig in völlig neue Fachgebiete einzuarbeiten, manchmal innerhalb weniger Wochen. „Das macht die Arbeit unglaublich abwechslungsreich", sagt Fischer. „Und am Ende ist es eine sehr sinnstiftende Arbeit. Wenn wir Technologien entwickeln, die Menschen im Alltag unterstützen, dann wird Design für mich zu einem Werkzeug, um Forschung in echte gesellschaftliche Wirkung zu übersetzen." 

Hier sieht Fischer eine wichtige Verknüpfung zum Forschungsschwerpunkt Deep Tech, der in der Brain City Berlin zentral ist. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der Schnittstelle von komplexen Technologien und deren Alltagstauglichkeit für Menschen. Sie fragt: „Wie können aus technologischen Möglichkeiten Anwendungen entstehen, die für Menschen verständlich, zugänglich und sinnvoll nutzbar sind?“ 

Warum Berlin? 

Dass Fischer in der Brain City Berlin forscht, ist kein Zufall. „Berlin bringt Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen und Ländern zusammen. Gerade in der Forschung entstehen dadurch unglaublich spannende Kooperationen, weil unterschiedliche Perspektiven ganz selbstverständlich aufeinandertreffen." Zugleich schätzt sie das kulturelle Leben der Stadt, ihre Offenheit und die Möglichkeit, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. „Trotz allem Trubel hat die Stadt eine Gemütlichkeit“, so Fischer, die zu einer einzigartigen Mischung aus Dynamik und Gelassenheit führe.  

Für Forschende, die nach Berlin ziehen möchten, hat sie einen klaren Rat: „Vernetzt euch früh. Berlin bietet unglaublich viele Möglichkeiten, aber man muss sie aktiv nutzen. Und erkundet die Stadt neugierig: Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, entdeckt oft genau die Menschen, Projekte oder Orte, die neue Impulse für die eigene Arbeit geben." 

Disclaimer: Seit Frühjahr 2026 arbeitet Hannah Fischer nicht mehr am DFKI. Dieses Interview wurde geführt, während sie noch am DFKI tätig war. 

Mehr Stories