• © DLR (CC-BY-NC-ND 3.0)

    Wie können wir nachhaltiger pendeln?

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit Standort in Berlin hat in seiner Verkehrsforschung untersucht, wie sich der Pendelverkehr in Zukunft ändern wird. Gerade im Zusammenhang mit den Aspekten Wohnen und Arbeiten stellt sich die Frage, wie bis 2050 eine nachhaltige, umweltfreundliche Stadt mit Pendler*innen aussehen kann – wichtige Erkenntnisse auch für die Brain City Berlin.  

Im Forschungsprojekt MOBITAT 2050 untersucht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), wie Pendelverkehr im Rahmen einer Zukunftsvision für 2050 aussehen könnte. Schon heute pendeln Millionen Menschen in Deutschland täglich zur Arbeit und zurück nach Hause. In größeren Städten hat der ÖPNV ein hohes Qualitätsniveau und bietet neue Verkehrsmittel wie E-Bikes und On-Demand-Angebote, aber dennoch setzen die meisten Erwerbstätigen für ihre Arbeitswege noch immer auf das Auto. Laut Statistischem Bundesamt wählten im Jahr 2020 rund 68 Prozent den Pkw. 

Neue Trends verändern das Pendeln 

Digitalisierung, Automatisierung und der anhaltende Zuzug junger Menschen in Städte wie Berlin verändern das Mobilitätsverhalten. Arbeitsorte und -prozesse werden flexibler, da immer mehr Menschen zumindest teilweise von zuhause arbeiten. Im Projekt MOBITAT 2050 haben Forschende des DLR gemeinsam mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu), dem ConPolicy Institut, dem Institut für Stadtbauwesen der RWTH Aachen sowie dem Mobilitätsmanagement Region Frankfurt Rhein/Main Werkzeuge entwickelt, die Kommunen und Regionen bei der nachhaltigen Verkehrsplanung unterstützen sollen. 

Homeoffice allein reicht nicht 

Die Forschenden haben Berufspendelnde zu ihren Mobilitätsgewohnheiten befragt. Ergebnis: Der Weg zur Arbeit ist zwar ein wichtiges Kriterium bei der Wohnortwahl, aber nicht das entscheidende. Bei der Verkehrsmittelwahl hingegen zählen vor allem kurze Reisezeiten, Flexibilität und geringe Kosten. 

Mobiles Arbeiten reduziert dabei den Pkw-Anteil kaum. „Homeoffice allein reduziert das Verkehrsaufkommen nicht automatisch", erklärt Dr. Viktoriya Kolarova vom DLR-Institut für Verkehrsforschung. „Zwar pendeln Menschen seltener, wenn sie öfter zuhause arbeiten, doch sie sind gleichzeitig bereit, längere Wege in Kauf zu nehmen." Für eine echte Verkehrswende müsse Homeoffice daher mit attraktiven Anreizen für nachhaltige Verkehrsmittel kombiniert werden. 

Stadtentwicklung und Mobilität sind untrennbar verbunden 

Die Modellergebnisse zeigen ein komplexes Zusammenspiel zwischen Siedlungsentwicklung, Homeoffice-Tätigkeit und Verkehr. Eine Verlagerung von Bauaktivitäten in Randgebiete führt tendenziell zu längeren Arbeitswegen und macht das Auto zur ersten Wahl – selbst wenn durch mehr Homeoffice insgesamt weniger gefahren wird. Gleichzeitig würden die Wohnpreise im Umland steigen, ohne die Lage in den Ballungszentren zu entlasten. 

Umgekehrt zeigt das Modell: Mehr Wohnraum in der Stadt, kombiniert mit verkehrlichen Push-Maßnahmen wie einer Citymaut oder Tempo-30-Zonen, könnte den motorisierten Individualverkehr deutlich reduzieren. Allerdings birgt dieser Ansatz das Risiko steigender Preise und sozialer Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen – eine Herausforderung, die gerade für wachsende Metropolen wie Brain City Berlin hochrelevant ist. 

Maßgeschneiderte Lösungen für eine nachhaltige Zukunft 

Nachhaltige Mobilitätsplanung geht also weit über rein verkehrstechnische Maßnahmen hinaus. Das Forschungsteam hat deshalb Maßnahmenpakete entwickelt und bewertet, die vier Leitbilder der Nachhaltigkeit berücksichtigen: Umwelt & Ressourcen, gerechte Gesellschaft, Lebensqualität und nachhaltiges Wirtschaften. 

Je nach regionalen Zielsetzungen lassen sich diese Pakete individuell anpassen. Der modellgestützte Ansatz von MOBITAT 2050 ermöglicht es, maßgeschneiderte Lösungen für die nachhaltige Umgestaltung der Pendelmobilität regionsspezifisch zu prüfen – ein wertvolles Instrument für Städte und Kommunen auf dem Weg zur klimafreundlichen Mobilität. 

Für die Brain City Berlin, die sich als Zentrum für Wissenschaft und Innovation positioniert, liefert diese Forschung wichtige Impulse: Sie zeigt, wie Stadtentwicklung, Wohnraumpolitik und Verkehrsplanung gemeinsam gedacht werden müssen, um Berlin auch in Zukunft lebenswert, gerecht und mobil zu gestalten. 

 

Weitere Informationen: 

Mehr Stories