• © Freie Universität Berlin / Janet Wagner

    Lebende Waldlabore in Berlin: Es grünt!

Über 18 Prozent der Berliner Fläche sind Wald, und damit ist die Hauptstadt eine der grünsten Metropolen Europas. Doch wie sieht eigentlich die Forschung zum Thema Wald in der Brain City Berlin aus? Zum Tag des Waldes am 21. März 2026 blicken wir auf drei Projekte, die die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte von Wäldern sichtbar machen. 

Living the Forest Lab 

Athena Grandis und Sara Reichert, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der TU, leiten das „Living the Forest Lab“, eine Forschungsinitiative, die an der TU Berlin angesiedelt ist – und zwar unerwarteterweise an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, Fachgebiet Nachrichtenübertragung. Dies zeigt, wie wichtig transdisziplinäre Blicke auf den Wald sind. Im Projekt entstehen unter dem Namen „Reallabor Wald“ Prototyp-Lösungen für den Waldschutz, gefördert von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.  

„Wir haben das Ziel, experimentelle und ergebnisoffene Projekte fördern. Dafür verbinden wir Open-Source-, Maker- und Open-Hardware Communities mit Studierenden, Laboren, Expert*innen und der Öffentlichkeit“, so Sara Reichert im Interview. Sie kommt aus der Elektrotechnik, wo Anwendungsfälle nicht immer praxisnah sind. „Wir wollten den Reallaboransatz ausprobieren und sind so in die Lehre gestartet. Studierende können bei uns Prototypen zum Thema Wald entwickeln und so Beziehungen zum Waldwissen aufbauen.“ 

Ebenfalls unüblich in der Elektrotechnik sind Abschlussausstellungen, wie das Projekt sie letztes Jahr organisierte. In Kollaboration mit dem Studiengang Bühnenbild_Szenischer Raum, sowie mit Unterstützung der TU-Stabsstelle wurde TechTales vorgestellt. Die Ausstellung lief vom 1. Nov. 2025 – 13. Feb. 2025 im “UNIVERSUM” der TU Berlin. Sie bestand aus einem immersiven Raum, in dem Besuchende faire und nachhaltige Zukunftsszenarien diskutieren und erkunden konnten – ein Beitrag zur innovativen Wissenschaftskommunikation in der Brain City Berlin. 

Interdisziplinäre Forschung 

Nach der Ausstellung kam das europäische Forschungsprojekt ADAPT auf das Reallabor zu, ebenso wie andere Interessierte aus unterschiedlichsten Fachrichtungen. Dies hat unter anderem zu einer Zusammenarbeit mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde geführt, wo das Team nun Prototypen im Reallaborwald ausprobiert. „Wir möchten Studierenden die Möglichkeit geben, Prototypen zum Thema Wald und Wissen im Wald spekulativ anzugehen“, so Sara Reichert – und genau hier kommt die Interdisziplinarität des Projektes zum Vorschein.  

Mittlerweile gibt es im Living the Forest Lab ungefähr 20 Prototypen, die in unterschiedlichste Richtungen gehen – von Alarmsystemen für kleine Waldtiere, die bei einem Waldbrand hohe Frequenztöne abgeben und so die gefährliche Flucht in die Höhle vermeiden über einen digitalen Wald, in dem die Prototypen getestet werden, bis hin zu Frühwarnmechanismen. Dazu gibt es bereits viele Abschlussarbeiten von Studierenden sowie eine informative Website.  

Nun möchte das Reallabor sein Netzwerk erweitern und es noch mehr in der Forschung verankern. „Das Thema Wald könnte in vielen Forschungsfeldern präsent sein, wo man es auf den ersten Blick vielleicht nicht erwartet, wie eben in der Elektrotechnik“, sagt Sara Reichert. „Ich lade Forschende dazu ein, ihr Thema in den Kontext Wald zu setzen und zu schauen, ob dabei nicht etwas Spannendes herauskommt.“ Informatik, aber auch biologische und chemisch geprägte Forschungsfelder seien dabei besonders interessant.  

Mini-Wald an der FU Berlin 

Das Reallabor forscht vor allem in Brandenburg, aber auch in Berlin sind Testwälder zu finden. Beispielweise gibt es an der FU Berlin seit 2024 einen eigenen Wald, den „FU Mini-Wald“, organisiert von Janet Wagner, Rebecca Rongstock, und Lisa Marschinke. Das als „FUturist“ ausgezeichnete Projekt auf dem Campus Dahlem besteht aus regionalen Bäumen und Sträuchern, die wieder mehr Lebensraum für Artenvielflat und zugleich einen grünen Lern- und Begegnungsort schaffen. Zugleich sorgen die Pflanzen für ein kühleres Mikroklima und mildern so den Urban Heat Island Effect, also die höheren Lufttemperaturen in städtischen Ballungsräumen.  

Etwa 120 Gehölze aus 25 Arten machen den Wald aus, der ungefähr 100 Quadratmeter groß ist. Sie sind schnell gewachsen, sodass gemäß der japanischen Miyawaki-Methode für Mini-Walder in kurzer Zeit ein echter Wald entstanden ist. Dies ist durch eine enge Bepflanzung möglich, in der die jungen Pflanzen um Sonnenlicht ringen – ein Beispiel auch für entsiegelte Flächen anderswo in Berlin.  

Der Mini-Wald in der Brain City Berlin ist nicht nur gut für die Biodiversität, das Stadtklima und den Boden, sondern unterstützt auch die universitäre Lehre: Studierende können im Rahmen zweier Kursangebote an der Freien Universität Teil des Prozesses werden und direkt vor Ort mehr über Mini-Wälder im urbanen Raum lernen.  

Der Kurzfilm des Projektes zeigt die Pflanzaktion am 30. November 2024 sowie das Wachstum nach sechs Monaten: https://box.fu-berlin.de/s/oYAgxxjgDayCxeP 

Der Mini-Wald ist am Gebäude „EXC 2020 - Temporal Communities“ in der Otto-von-Simson-Str. 15, 14195 Berlin zu finden.  

Forschung zu borealen Wäldern 

Bis zum Juli 2026 läuft an der Humboldt-Universität zu Berlin noch ein Forschungsprojekt namens „Boreale Wälder und ihre Schutzfunktion für Permafrost in einem sich verändernden Klima“, gefördert vom DFG Walter Benjamin Programm. Denn das boreale Waldbiom, auch als Taiga bekannt – ein Nadelwaldgürtel auf der Nordhalbkugel – ist ein riesengroßes, sehr wertvolles System. Es hat einen großen Einfluss auf Klimamechanismen. Das Projekt erforscht, wie eine Ausdehnung der globalen Waldbedeckung die Kohlenstoffbindung und -speicherung in der Biomasse ermöglichen kann und welche Rückkopplungsmechanismen es zum Beispiel in borealen Wäldern mit geringerer Dichte und veränderter Artenzusammensetzung gibt.  

Der internationale Tag des Waldes findet seit 1971 jährlich am 21. März statt. Er soll auf die zunehmende Vernichtung von Wäldern aufmerksam machen In diesem Jahr hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) das Motto „Wälder und Wirtschaft“ ausgerufen, um zu zeigen, wie Wälder die Wirtschaft stärken können, welche Produkte zum Lebensunterhalt beitragen, und dass gesunde Wälder auch gesunde Gemeinschaften bedingen. Die Forschung zum Thema aus der Brain City Berlin unterstreicht die zentrale Bedeutung von Waldflächen und ruft damit auf, gut mit ihnen umzugehen. 

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