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© TECC-Connect / SOLYCO
14.05.2026Deep-Tech Startup SOLYCO TECC macht die Solarindustrie sauberer
Seit den 1990er Jahren hat die Solarindustrie eine bemerkenswerte Reise hinter sich: von einer Nischentechnologie zu einer globalen Industrie, die inzwischen über eine Milliarde Module pro Jahr produziert. Doch ein Problem blieb hartnäckig bestehen: Solarpanele, die als grüne Technologie vermarktet werden, enthalten bis heute giftige Schwermetalle. Das Berliner Start-up SOLYCO TECC möchte das ändern.
Die erste saubere Verbindungstechnologie für Solarzellen
SOLYCO TECC wurde 2023 auf dem Gelände der Urban Tech Republic am ehemaligen Flughafen Tegel gegründet, einem der dynamischsten Innovationsstandorte der Brain City Berlin. Das Team bringt jahrzehntelange Branchenerfahrung mit: Die Gründer*innen arbeiteten bereits bei Solon, einem der bekanntesten Berliner Solarunternehmen der 2000er Jahre, das zeitweise im TecDAX notiert war. „Das ist eigentlich wirklich schnödes Engineering und Materialwissenschaften", sagt Dr. Lars Podlowski über den Kern ihrer Arbeit, mit einer gewissen Ironie, denn das Ergebnis dieser nüchternen Ingenieursarbeit könnte die globale Solarindustrie grundlegend verändern.
Das Produkt heißt TECC-Connect® und ist die weltweit erste völlig silber-, blei- und bismutfreie IVerbindungstechnologie für Solarzellen. Bislang werden die einzelnen Zellen eines Solarmoduls mit Drähten verlötet, die Schwermetalle enthalten. „Die Solarindustrie hat tatsächlich noch eine Ausnahmegenehmigung, weil diese Schwermetalle in der restlichen Elektronikindustrie schon lange verboten sind“, erklärt Podlowski. SOLYCO TECC ersetzt das Löten durch ein patentiertes Klebeverfahren: Ein speziell beschichteter Kupferdraht verbindet die Solarzellen elektrisch, ganz ohne kritische Rohstoffe.
Vom Patent zur Serienreife
Die Idee entstand aus jahrelanger praktischer Erfahrung mit Solarmodulproduktion. Erste Versuche liefen bewusst im Kleinen, bis das Patent erteilt war. Dann erst wurde das Unternehmen offiziell gegründet. „Unsere ganze Entwicklung basiert auf unserem Team, das wirklich viel technologische Branchenerfahrung mitbringt“, so Podlowski. „Die Grundlage ist, dass wir Experten im Bereich Solarmodulproduktion sind und schon viele Jahre daran gearbeitet haben.“
Inzwischen hat SOLYCO TECC bereits eine Kooperation mit einem großen chinesischen Hersteller geschlossen, der für eine Lizenz vorab gezahlt hat. Die Serienfertigung soll noch in diesem Jahr beginnen, der kommerzielle Vertrieb, vorerst vor allem für den deutschen Markt, ab Anfang 2027. Das Geschäftsmodell setzt auf Lizenzierung: „Wir glauben, dass es für die gesamte Solarindustrie interessant ist“, sagt Podlowski. „Wir wollen die Technologie anderen Firmen auch global zugänglich machen.“
Berlin als Standort: Talente und Netzwerke
Für die Entwicklung von TECC-Connect® hat SOLYCO TECC eng mit Berliner Hochschulen zusammengearbeitet, darunter die HTW, die BHT und die TU Berlin. „Wir kriegen wirklich tolle Studierende, die ihre Abschlussarbeit machen wollen“, sagt Podlowski. „Das ist eine Win-Win-Situation.“ Auch das Helmholtz-Zentrum Berlin, das ehemalige Hahn-Meitner-Institut, ist ein Kooperationspartner.
Den Standort Tegel schätzt das Team für seine geteilte Infrastruktur und die Nähe zu anderen innovativen Unternehmen. Zuvor war SOLYCO TECC im Motion Lab in Treptow ansässig, einem Co-Working-Space für Hardware-Entwickler*innen. Auf die Frage, was Berlin als Gründungsstandort auszeichnet, ist Podlowski ehrlich: direkte staatliche Unterstützung für Start-ups sei überschaubar, die Beratung durch Berlin Partner und die IBB jedoch sehr wertvoll. Was die Stadt aber eindeutig biete, sei Humankapital: „Wir haben schon viele tolle Leute hier gehabt, die wirklich super Arbeit machen.“
Deep Tech, das die Welt braucht
SOLYCO TECC steht exemplarisch für das, was Deep Tech in der Praxis bedeutet: geduldige, forschungsbasierte Materialwissenschaft mit globalem Wirkungspotenzial. „Ich finde es gut, dass die Deep-Tech-Kampagne das mal beleuchtet. Denn derzeit sind alle auf digitale Geschäftsmodelle und KI aus. Aber am Ende geht es immer um Hardware“, so Podlowski. „Die Software produziert ja letztendlich nichts. Wir brauchen Materialwissenschaft und Engineering, damit ein Produkt entsteht.“
Für die Brain City Berlin ist SOLYCO TECC ein anschauliches Beispiel dafür, was entsteht, wenn langjährige Expertise, ein starkes Hochschulnetzwerk und ein innovationsfreundliches Umfeld zusammenkommen: eine Technologie, die nicht nur die Solarindustrie sauberer machen kann, sondern auch zeigt, dass Deep Tech aus Berlin globale Relevanz hat. Kein Wunder also, dass das Start-up zu den Finalisten des Deep Tech Awards 2026 gehört!
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