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    Psychische Gesundheit früher erkennen: Das Einstein Center for Youth Mental Health startet

Wer Menschen mit psychischen Erkrankungen besser helfen will, muss früher ansetzen. Das ist die Grundüberzeugung hinter dem Einstein Center for Youth Mental Health (ECYM), das jetzt in der Brain City Berlin seine zentrale Studie auf den Weg bringt. Am 1. Juli begann die Rekrutierung von rund 1.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 25 Jahren. 

Warum das Jugendalter entscheidend ist 

Die Zahlen sprechen für sich: 75 Prozent aller psychischen Erkrankungen treten vor dem 25. Lebensjahr auf. Gleichzeitig richten sich die meisten klinischen Angebote nach wie vor an Erwachsene mit bereits vollständig ausgeprägten Störungsbildern. „Klinische Angebote und Strukturen müssen viel stärker als bisher auf das Jugendalter ausgerichtet werden, um beginnende psychische Erkrankungen früher zu erkennen und therapeutisch eingreifen zu können", sagt Prof. Peter Uhlhaas, Sprecher des ECYM und Leiter der Arbeitsgruppe Biomarker, Frühintervention und digitale Medizin an der Charité. 

Der Grund dafür liegt in der Biologie: Das jugendliche Gehirn befindet sich zwischen 12 und 25 Jahren in einer Phase besonderer Plastizität, in der sogenannte sensitive Phasen Zeitfenster öffnen, die für präventive Interventionen genutzt werden können. Risikofaktoren wie Umwelteinflüsse oder traumatische Erfahrungen können in dieser Phase nachhaltige Spuren hinterlassen. Umgekehrt bedeutet das auch, dass ein früher Eingriff Fehlentwicklungen korrigieren und die Resilienz junger Menschen stärken kann. 

Was der Früherkennung bisher im Weg stand 

Trotz wachsender Evidenz gibt es erhebliche Lücken. Bestehende Diagnosesysteme wie DSM-5 oder ICD-11 sind für die Früherkennung kaum geeignet, da eine Diagnose in der Regel erst gestellt wird, wenn Symptome einen bestimmten Schweregrad überschreiten. Biomarker, die den Beginn einer schweren psychischen Erkrankung früher anzeigen könnten, fehlen bislang weitgehend. Dazu kommt: Jugendliche haben schlechten Zugang zu klinischen Angeboten, die ihren Bedürfnissen entsprechen. 

Genau hier setzt das ECYM an. Im Zentrum steht eine Längsschnittstudie mit rund 1.000 Jugendlichen, die ein erhöhtes Risiko für Psychose, bipolare Störung oder Borderline-Persönlichkeitsstörung aufweisen. Sie werden bis zu vier Jahre lang wissenschaftlich eng begleitet. Ziel ist es, Krankheitsverläufe besser vorhersagen und Ursachen genauer verstehen zu können. 

Das ECYM setzt dabei auf moderne Bildgebungsverfahren, darunter das neue OPM-MEG-Zentrum in der Brain City Berlin, das quantenbasierte Sensoren für hochauflösende Aufnahmen der Hirnaktivität nutzt. Ergänzt werden diese durch digitale Erhebungen im Alltag und KI-gestützte Auswertungen. „Interventionen im Jugendalter ermöglichen es, Fehlentwicklungen zu korrigieren und die Resilienz zu verbessern", so Uhlhaas. 

Parallel zur Forschung will das ECYM neue Therapien und Versorgungsmodelle entwickeln und erproben. Dabei werden von Anfang an junge Menschen einbezogen, die selbst Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen haben. Bisher sind klinische Angebote kaum auf Jugendliche ausgerichtet. Aber mit dem „Soulspace“ in Berlin gibt es ein relevantes Pilotprojekt.  

Sieben Berliner Institutionen, eine gemeinsame Aufgabe 

Das ECYM bündelt die Expertise von sieben Berliner Institutionen: Charité, Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin, Vivantes, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt. Die Einstein Stiftung Berlin fördert das Zentrum mit sechs Millionen Euro über sechs Jahre. Dass eine solche institutionenübergreifende Zusammenarbeit in dieser Dichte möglich ist, ist kein Zufall: Die Brain City Berlin bietet mit ihrer einzigartigen Konzentration klinischer und wissenschaftlicher Expertise genau das Umfeld, das für ein Vorhaben dieser Art notwendig ist. 

Interessierte Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 sowie deren Eltern können sich ab dem 1. Juli unter ecym-mitmachen@charite.de für die Studie anmelden. Weitere Informationen finden sich auf der ECYM-Website unter www.einstein-youthmentalhealth.com

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