• Dr. Arturo Robertazzi, Head of Marketing & Sales bei Quantistry

    Das Chemielabor in der Wolke

Das Berliner Start-up Quantistry ermöglicht chemische Experimente im digitalen Raum mithilfe Künstlicher Intelligenz und quantenchemischer Simulationen. Die Kunden sparen mit dem QuantistryLab Entwicklungszeit und Kosten. Um das virtuelle Labor zu nutzen, benötigen sie lediglich einen Webbrowser. Die Software und auch das nötige Fachwissen finden sie einfach zugänglich in der Cloud.  

„QuantistryLab wurde in Berlin geboren. Es ist geprägt von der lebendigen Mischung aus Technologie, Kultur und Wissenschaft, die in den vielen Universitäten und Institutionen der Stadt zu finden ist, und die an der Spitze der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Anwendungen stehen.“ Dr. Arturo Robertazzi  ist Quantenchemiker und Head of Marketing & Sales bei Quantistry. Das Start-up wurde 2019 in der Brain City Berlin ins Leben gerufen – als wissenschaftliche Ausgründung der Freien Universität Berlin.

Die Idee für das Produkt „QuantistryLab“ kam den beiden Gründern, Dr. Marcel Quennet und Dr. Vincent Pohl, während ihrer Doktorarbeit. Sie ist dabei so einfach, wie ihre Umsetzung kompliziert ist: Die beiden Gründer entwickelten ein digitales Chemielabor, mit der sich Material- und Moleküleigenschaften computerbasiert ermitteln lassen. Zwar existieren auf dem Markt bereits ähnliche Produkte, doch Quantistry setzt mit seinem digitalen Chemielabor auf eine cloudbasierte Lösung, die Software, Expertenwissen und Rechenleistung im Gesamtpaket bündelt; chemische Simulationen erfolgen per Künstlicher Intelligenz. „Atomistische chemische Simulationen werden in der Wissenschaft bereits seit Jahrzehnten eingesetzt, doch ihre breite Anwendung in der Forschung und Entwicklung wird durch einige hohe Hürden blockiert“, erläutert Arturo Robertazzi. „Um sie nutzen zu können, muss man beispielsweise Experte für Simulationen sein, Zugang zu Hochleistungsrechnern haben und mehrere Softwarepakete einkaufen.“

Quantistry vereinfacht und verschlankt den Prozess deutlich: „Alles, was Sie für QuantistryLab benötigen, ist ein Webbrowser“, so Robertazzi. „Wir wollen ‚reale‘ Labore nicht ersetzen, sondern chemische Simulationen für Akteure in der industriellen Forschung und Entwicklung zugänglicher machen – und sie damit quasi demokratisieren. Zu diesem Zweck haben wir die weltweit intuitivste cloudbasierte Plattform für chemische Berechnungen entwickelt, die auf einfache Weise Rechenressourcen integrieren kann, um die Simulationen chemischer und physkalischer Prozesse zu beschleunigen.“  

Chemische Experimente per Klick simulieren

Inzwischen ist Quantistry auf rund 16 Personen angewachsen. Typisch für ein Berliner Start-up: das Team ist international aufgestellt. Fast die Hälfte der Mitarbeiter sind Software-Expertinnen und -Experten, die mit den Forscherinnen und Forschern im Team eng zusammenarbeiten. Denn die Kunden, zu denen vor allem Forschungs- und Entwicklungsabteilungen aus den Bereichen Batteriesysteme, Optik und Schmiermittel sowie der Pharma- und Halbleiter-Industrie gehören, sollen sich ihre spezifischen Versuchs-Szenarien im QuantistryLab ohne Programmierkenntnisse intuitiv und schnell selbst zusammenstellen können.

„Use-Case-Designer“ heißt das virtuelle Tool mit dem sie mit wenigen Klicks und ohne technisches Vorwissen chemische Strukturen hinzufügen, Versuchsreihen digitalisieren und Analysen starten können – und damit wertvolle Informationen über die Entwicklung ihrer molekularen Systeme und Materialien gewinnen, bevor sie diese synthetisieren. Auch das macht das QuantistryLab besonders, denn digitale Simulationslösungen in der Chemie lassen sich meist nur mit Expertenwissen bedienen. „Unsere Kunden sparen so nicht nur Kosten und Ressourcen, sondern arbeiten auch deutlich nachhaltiger“, sagt Robertazzi. „Es geht uns darum, dass sie qualitativ hochwertige wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen können, die die experimentelle Entscheidungsfindung im Labor vereinfachen, inspirieren und anleiten.“ Aktuell arbeitet das Team von Quantistry daran, dass die Plattform, künftig nahtlos auch Quantencomputer integrieren kann. Für die Kunden wäre das ein klarer Wettbewerbsvorteil, denn die Simulationen chemischer und physikalischer Prozesse ließe sich weiter beschleunigen.

Die Kunden und Kooperationspartner von Quantistry sitzen inzwischen in der ganzen Welt. Doch sein Büro hat das Start-up nach wie vor in Berlin: Das Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) liegt mitten im Campus Charlottenburg, einem der elf Berliner Zukunftsorte – und nur wenige Kilometer von der Technischen Universität Berlin und der Universität der Künste Berlin entfernt. „Trotz unserer internationalen Ausrichtung schätzen wir die Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die Berlin uns bietet. Wir haben enge Verbindungen zur FU Berlin und zu hier ansässigen Start-ups in den Bereichen Simulation und künstliche Intelligenz“, erläutert Robertazzi die Entscheidung für den Standort.

Zugleich profitiert Quantistry von der Offenheit, Vielfalt und Innovationskraft der Stadt: „Berlin ist in der Tat ein starker Anziehungspunkt für Talente in der Softwareentwicklung, der Computerchemie und anderen technischen Bereichen. Begabte Menschen kommen wegen der Stadt und bleiben wegen der Atmosphäre“, so Arturo Robertazzi und fügt hinzu: „Wir sind froh, hier zu sein. Berlin ist unsere Stadt.“ (vdo)

quantistry.com

Chemische Simulation im QuantistryLab: ohne Expertenwissen intuitiv konfigurierbar. (Digital Organic Chemist – QuantistryLab view. © Quantistry)

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