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    Das Einstein Center Digital Future: Digitale Transformation gestalten und reflektieren

Das Berliner Einstein Center Digital Future, kurz ECDF, ist ein Zentrum für Digitalisierungsforschung. Es steht für unabhängige, interdisziplinäre Forschung zur Gestaltung und Reflexion der digitalen Transformation – gemeinsam mit Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft. Das derart einzigartige Public-Private-Partnership-Modell besteht aus über 30 Partnern und bereichert die Brain City Berlin seit 2017. 

Alle vier Berliner Universitäten, die Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie zahlreiche weitere Forschungseinrichtungen gehören zum ECDF. Mit einer Förderung von 46,5 Millionen Euro gehört das Center zu Deutschlands wichtigsten Initiativen für die Digitalisierungsforschung. Aktuell befindet sich das ECDF in der zweiten Förderphase mit dem Titel „Next Generation", die bis März 2028 läuft. Die Forschenden konzentrieren sich dabei auf drei Themenfelder: gesellschaftliche Transformation, vernetzte Gesundheit und nachhaltige Städte. 

  

Das ECDF im Interview 

Die Fragen beantworteten Tabea Flügge und Martin Gersch, Co-Sprecher*innen des Einstein Center Digital Future“. 

Sie möchten Digitalisierung für alle fördern – wie sieht das in der Praxis aus? 

Wir wollen digitale Teilhabe stärken, gesellschaftliche Ungleichheit verringern und den Dialog über die Zukunft der Digitalisierung aktiv fördern. Unsere Wissenschaftler*innen arbeiten gemeinsam an Querschnittsthemen und entwickeln Lösungen für reale Probleme, dazu zählen Sturzerkennungssensoren, die in der Pflege angewendet werden, Mobile Apps für die Erkennung von Beinahe-Unfällen oder Softwarelösungen zur Reduzierung von Wasserverlusten für Versorgungsunternehmen. In unserer Demo-Area können sich Interessierte aktuelle Exponate anschauen. Zur Langen Nacht der Wissenschaften präsentieren wir unsere Forschung der Berliner Zivilgesellschaft und laden regelmäßig zu Veranstaltungen ein, die die Digitale Transformation gemeinsam mit Politik, Industrie und Zivilgesellschaft einordnen. Wir legen Wert darauf, dass in allen Projekten Gleichstellungs- und Diversity-Aspekte berücksichtigt werden.   

Welche spannenden neuen Forschungsthemen stehen 2026 bei Ihnen an?  

Für 2026 sind verschiedene neue Forschungsprojekte geplant: Adrian Paschke, ECDF-Professor für Semantische Datenintelligenz, wird untersuchen, ob die Nutzung von Quantencomputern die Konstruktion von leichteren Fahrzeugteilen vorantreiben kann. Leichtere Fahrzeugkonstruktionen könnten den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen im städtischen Verkehr senken sowie die Reichweite von Elektrofahrzeugen erhöhen. Timm Teubner, ECDF-Professor für Digital Service Engineering und Vorstandsmitglied des ECDF, wird in einem neuen Projekt zu KI-Kompetenz, individueller Leistungssteigerung durch KI-Unterstützung sowie der Akzeptanz von KI-Anwendungen forschen. 

Darüber hinaus öffnen wir 2026 im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften unsere Türen für die Berliner Zivilgesellschaft. Unser ECDF Gender und Diversity Netzwerk fördert die Ausstellung „Digital Decoding“, eine kollaborative, forschungsbasierte Ausstellung von fünf Künstlerinnen und Designerinnen, die untersucht, wie digitale Technologien sowohl die materiellen Realitäten, Arbeitsprozesse und Machtstrukturen, auf denen sie beruhen, verbergen als auch sichtbar machen. Rainer Mühlhoff, assoziiertes Mitglied des ECDF, organisiert am 1. Oktober 2026 ein Symposium zu „KI und Demokratie", das Forschende, politische Entscheidungsträger*innen und die Zivilgesellschaft zusammenbringt. 

Wie beeinflusst und ermöglicht der Wissenschaftsstandort Berlin Ihre Arbeit? 

Die dichte und vielfältige Forschungslandschaft Berlins ermöglicht es uns am ECDF, institutionelle und disziplinäre Grenzen gezielt zu überwinden. Dies gelingt insbesondere durch die enge Zusammenarbeit mehrerer großer Universitäten sowie einer Vielzahl außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die enge Vernetzung mit Akteur*innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. So können wissenschaftliche Erkenntnisse frühzeitig mit der Praxis reflektiert und in konkretes Handeln überführt werden. Gleichzeitig fließen gesellschaftlich relevante Fragestellungen direkt in die Forschung ein. Dies stärkt nicht nur die Anwendungsorientierung unserer Arbeit, sondern auch ihre nachhaltige gesellschaftliche Wirkung. 

Sie möchten neue Formen der Zusammenarbeit in Berlin erproben – haben Sie dafür ein Beispiel? 

Unser Ziel am ECDF ist es, sowohl bestehende Netzwerke gezielt zu stärken als auch neue Partnerschaften aufzubauen und weiterzuentwickeln. Seit kurzem gehört das Deutsche Institut für Normung (DIN e.V.) zu unseren strategischen Partner*innen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Forschungsergebnisse über den Weg der Normung und Standardisierung für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen und so die Innovationskraft des Industriestandorts Deutschland nachhaltig zu stärken. Im Fokus der Kooperation stehen Zukunftsthemen wie Europäische Datenräume, Circular Economy, KI und Internet of Things (IoT), Ressourceneffizienz und vieles mehr.  

Bis 2028 konzentrieren Sie sich auf die Forschungsfelder gesellschaftliche Transformation, vernetzte Gesundheit und nachhaltige Städte. Haben Sie Beispiele dafür, wie sich diese Themen in Berlin untersuchen lassen?  

Das Projekt „iOLE – Intelligente Online-Leckageerkennung“ von Andrea Cominola, ECDF-Professor für Digitale Wassersysteme an der Technischen Universität Berlin, bietet digitale Lösungsansätze zum Wassersparen, indem es auftretende Leckagen schnellstmöglich, automatisiert und zuverlässig identifiziert und lokalisiert. Das Projekt vereint die Expertise des Einstein Zentrums Digital Future, der Technischen Universität Berlin, von Urban Impact, dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin sowie der GELSENWASSER AG.  

Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „CaringS" des Forschungsteams rund Martin Gersch, Professor an der FU Berlin. Es untersucht, wie digitale Pflege-Ökosysteme verantwortungsvoll gestaltet werden können, sodass wirtschaftliche Anforderungen mit hohen Pflegestandards in Einklang gebracht werden – zum Wohl aller Beteiligten. 

Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns auf weitere wichtige Forschungsergebnisse zur digitalen Transformation aus der Brain City Berlin. 

 

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