• © Sylke Schumann, HWR Berlin

    Ideen sichtbar machen: die Student EXPO Berlin 2027 an der HWR

Viele Berliner Initiativen, Schulen und Hochschulen arbeiten jeden Tag im Verborgenen an neuen Ideen – direkt in Kiezen und Vereinen oder in Form wissenschaftlicher Projekte und Forschungsarbeiten, die selten Schlagzeilen machen, aber im Alltag vieler Menschen einen echten Unterschied bewirken können. Genau das will die Student EXPO Berlin zeigen. Am 27. Januar 2027 öffnet die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) erneut ihre Türen für das Format, das Lehrbeauftragter Felix Wieduwilt ins Leben gerufen hat: Studierende präsentieren Berliner Initiativen und Projekte und machen ihre Alltagsanwendungen sichtbar – konkreter Wissenstransfer in der Brain City Berlin.

Das Besondere: Die Studierenden übernehmen nicht nur die inhaltliche Arbeit, sondern organisieren die Veranstaltung im Rahmen des Bachelor-Kurses „Projektmanagement" selbst. Wer eine Idee, ein Konzept oder ein Prototyp einreichen möchte, kann das vom 1. Oktober bis 22. November 2026 tun. Dotiert ist der Wissenstransfer-Wettbewerb mit einem Preisgeld von 3.000 Euro, gestiftet vom Berliner Kreislaufwirtschafts-Pionier NochMall.

Wir haben mit Felix Wieduwilt über die Student EXPO und ihre Auswirkung auf die Brain City Berlin gesprochen.

Die Student EXPO bringt Studierende raus in die Stadt, um Berliner Initiativen zu erkunden und sichtbar zu machen. Wie kam es zu diesem Format, und was ist euer wichtigstes Ziel?

Es gibt in dieser großen Metropole Berlin unfassbar viele Menschen, die jeden Tag an wunderbaren Projekten und Aufgaben arbeiten, die zwar nicht die Welt verändern, aber für zahlreiche Menschen sehr wichtig sind und damit eine echte Wirkung im Alltag haben. Anstatt das Rad neu zu erfinden und einen möglichen Durchbruch zu feiern, will die Student EXPO genau das Gegenteil: Zeigen, was es bereits gibt, und damit wertschätzende Aufmerksamkeit für das Kleine im Großen zu schaffen. Viele Projekte verdienen es, gesehen zu werden, weil sie jeden Tag einfach funktionieren.

Ich gebe den Studierenden zwar einen Rahmen und groben Projektauftrag, aber sie dürfen in diesem Rahmen frei entscheiden und ihr eigenes Potenzial anwenden. Das ist für viele ungewohnt, weil es oft nur darum geht, in bestehenden Strukturen nach Vorgabe zu funktionieren. Wir versuchen hingegen, die Studierenden zu befähigen, eigenständig zu entscheiden und entsprechend zu handeln. Wichtig ist auch, dass wir neben der ökologischen Nachhaltigkeit auch die soziale und unternehmerische Nachhaltigkeit verstehen.

Bei der Student EXPO 2027 übernehmen Studierende nicht nur die Inhalte, sondern auch die Organisation der Veranstaltung. Was erleben Sie dabei, und welche Fähigkeiten entwickeln sie, die ein klassischer Kurs allein nicht vermitteln kann?

Die Studierenden lernen sich selbst und ihr Team kennen, weil sie auf Widerstände treffen werden. Und das ist aus meiner Sicht wichtiger als jede Theorie. Wenn ich mich selbst kenne, weiß ich viel besser, was ich kann und noch nicht so gut kann. Projektmanagement ist im Kern die Fähigkeit, auf unvorhergesehene, plötzliche Änderungen aktiv zu reagieren, damit das Projekt trotzdem erfolgreich sein kann. Wir sind dabei im Gebiet des Scheiterns, des Unternehmertums und auch der Kommunikation unterwegs. Das kann herausfordernd sein, aber nur so wachse ich und werde besser, wenn ich möglichst viele Entscheidungen treffen muss, ohne zu wissen, ob sie „richtig" sind. Das erfordert Mut und fördert das Gefühl von Selbstwirksamkeit – das ist die Basis von Selbstvertrauen.

Welche Rolle spielt die Brain City Berlin als Stadt für dieses Format?

Berlin hat alles, was auch die Welt zu bieten hat. Kaum eine Stadt versprüht so viel Hoffnung und polarisiert so sehr wie Berlin. Hier können Impact- und Nachhaltigkeitsprojekte sehr viel bewirken, weil sie an jeder Ecke und in jedem Bezirk gebraucht werden. Sichtbarkeit und Vernetzung sind eines der wichtigsten Assets, die wir neben Geld aktivieren können. Wenn wir Menschen informieren und inspirieren, können Projekte wachsen und andere erreichen. Das schafft Wirkung.

Ab dem 1. Oktober können sich Studierende und Schüler*innen ab der 11. Klasse bewerben. Wen wollen Sie erreichen, und was raten Sie jemandem, der eine Idee hat, aber noch unsicher ist?

Wir wollen alle jungen Menschen erreichen, die etwas von ihrem Potenzial zeigen und teilen wollen. Es geht um Projekte, die entlang der SDGs wirklich etwas bewirken wollen – Wirkung wird der Maßstab sein. Die Idee darf während des gesamten Prozesses wachsen, weil wir Workshops anbieten, um an der Weiterentwicklung zu arbeiten. Wer den Impuls verspürt, etwas zeigen zu wollen, den ermutige ich, sein Projekt vom 1. Oktober bis 22. November einzureichen.

Wo sehen Sie die Student EXPO in drei bis fünf Jahren, und welchen Beitrag könnte sie für die Berliner Wissenschafts- und Innovationslandschaft leisten?

Ich möchte mit der Student EXPO Berlin einen Ort schaffen, an dem junge Menschen regelmäßig ihre Ideen und Konzepte präsentieren können und auch Wertschätzung dafür erhalten, sich zu trauen – egal wie „groß" die mögliche Innovation ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass jede Student EXPO Berlin auch zu einer temporären Ausstellung wird und einen Raum findet, in dem die Konzepte noch ein paar Wochen und Monate besichtigt werden dürfen – um auch nach dem EXPO Day noch wirken zu können. I

ch bezeichne mich selbst gerne als Collaboration Architect, denn ich bin überzeugt, dass gerade jetzt, wo möglichst viele Tätigkeiten an KI-Modelle ausgelagert werden, die kreative Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft immer wichtiger wird.

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