• Collage Luftansicht University of Oxford und Berlin-Mitte mit Fernsehturm, Brain City Berlin

    Brücken schlagen zwischen Oxford und Berlin

Forschung verbindet – fachgebietsübergreifend, interdisziplinär und vor allem auch international. Die Oxford Berlin Research Partnership bringt Spitzenforschende zusammen und fördert gezielt talentierten wissenschaftlichen Nachwuchs. Innerhalb von acht Jahren wurden bisher rund 1.300 Forschende im Rahmen der Partnerschaft zwischen der University of Oxford und den Universitäten der Berlin University Alliance unterstützt und auf unterschiedlichen Ebenen miteinander vernetzt.

„Es existierten schon immer Kooperationen zwischen der University of Oxford und Instituten und Fakultäten der Berliner Universitäten, insbesondere in der Medizin. Die Verbindungen verliefen allerdings vorrangig bilateral zwischen einzelnen Wissenschaftlern“, sagt Martin Spieß. „Diese Zusammenarbeit wollte man stärker strategisch ausrichten. Es ging darum, die gesamten Wissenschaftsräume in Berlin und Oxford zusammenzubringen. Beide sind ja jeweils auch Teil eines sehr dichten und dynamischen Ökosystems vor Ort.“

Martin Spieß betreut als Projektmanager der Berlin University Alliance (BUA) die Oxford Berlin Research Partnership. Die länderübergreifende Forschungskooperation wurde 2017 gegründet. Vor dem Hintergrund des Brexit setzte das Bündnis zwischen der University of Oxford und den vier Verbundpartnerinnen der BUA – Freie Universität Berlin, Technische Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin – damit ein deutliches und wichtiges Signal für die wissenschaftlichen Verbundenheit über Länder- und Wirtschaftsgrenzen hinweg. Das Ziel der universitären Allianz: gemeinsam Spitzenforschung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz und nachhaltigem Impact zu fördern. Denn beide Standorte zeichnen sich durch eine hohe Qualität der Forschung und eine große disziplinäre Breite aus. Viel Potenzial also, das die Kooperation gezielt ausschöpft: „Wir schaffen Strukturen für das Matching zwischen Forschenden, bieten über unsere Programme auch Möglichkeiten der Anschubfinanzierung und eruieren später gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie gemeinsame Forschungsvorhaben in größere Anträge überführt werden können“, erläutert Spieß das Konzept der Partnerschaft.

In diesen disruptiven Zeiten stellen die gemeinsame Mission und das langfristige Commitment unserer Partnerschaft eine wichtige Säule für die wissenschaftspolitische Zukunft an beiden Standorten dar. Wir stärken uns gegenseitig im Beitrag unserer Institutionen zur Gestaltung der großen Transformationen unserer Zeit. Das zeigt sich insbesondere auch im gemeinsamen Schwerpunkt Democratic Resilience.
(Dr. Alexandra-Gwyn Paetz, Geschäftsführerin der Berlin University Alliance)

 

Besonders im Fokus der Oxford Berlin Research Partnership steht die Förderung von Nachwuchsforschenden. Die „Oxford Berlin Early Career Mobility Grants“ beispielsweise richten sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Postdocs sowie Doktorandinnen und Doktoranden erhalten die Möglichkeit, ihre Forschung im Rahmen eines kurzen Aufenthalts in Berlin oder Oxford zu vertiefen. Das Programm „Flexible Funds“ wiederum deckt mit kleineren Beiträgen vor allem Kosten für Reisen, Unterkunft, die Durchführung von Workshops oder kleinere Dienstleistungen ab. Beide Programme sind erfolgreich und führen immer wieder auch zu überraschenden Ergebnissen. Martin Spieß zitiert ein Beispiel: „Eine Doktorandin aus Berlin, der wir Reisemittel zur Verfügung gestellt haben, hat in Oxford einen ziemlichen Schatz gehoben: Briefe und Dokumente einer inzwischen mehr oder weniger vergessenen Schriftstellerin aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Die hatte sich vorher noch niemand angeschaut. Für eine Literaturwissenschaftlerin ist so etwas natürlich eine Goldgrube.“

Das Flaggschiff der Oxford Berlin Research Partnership sind die Einstein BUA/Oxford Visiting Fellowships. Die Kooperation der Berlin University Alliance (BUA) und der Einstein Stiftung Berlin (ESB) ist ganz klar auf Spitzenforschung ausgerichtet. Gefördert werden etablierte Forschende, aber auch exzellenter Nachwuchs, die zu gesellschaftlich relevanten Themen forschen. In die Förderung eingebunden sind jeweils auch Mittel für Postdoc- oder Doktoranden-Stellen. „Die Einstein Fellows arbeiten über drei Jahre in kleinen Forschungsgruppen remote oder vor Ort. Dies intensiviert die Zusammenarbeit in unseren Spitzenforschungsfeldern natürlich sehr“, so Spieß.

Die Oxford Berlin Research Partnership zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie gemeinsame Forschung über thematische und disziplinäre Grenzen hinweg fördert. Sie baut Brücken zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Institutionen, um gemeinsam globale Herausforderungen anzugehen und Wissen zu generieren, das der Gesellschaft zugutekommt.

(Prof. Dr. Peter Neubauer, Vice Academic Director STEM (Science, Technology, Engineering and Mathematics), Oxford Berlin Research Partnership)

Rund 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden in acht Jahren über die Oxford Berlin Research Partnership gefördert – und das trotz der zwischenzeitlichen, pandemiebedingten Einschränkungen. Zusätzlich zur Finanzierung über die Exzellenzmittel der BUA konnte die Forschungspartnerschaft bisher rund 16,5 Millionen Euro an Drittmitteln akquirieren, z.B. für die mit dem Oxford Institute für Ethics in AI gemeinsam durchgeführte Oxford Berlin Summer School. Fest im Kalender der Partnership verankert sind außerdem Austausch- und Netzwerkveranstaltungen wie das im jährlichen im Wechsel zwischen den Standorten ausgerichtete Symposium – dieses Mal zum Thema „Transfer & Innovation“. Das Symposium ist als fachliches Schaufenster der Partnerschaft konzipiert, aber gleichzeitig auch ein Dialogort. „Auf dieser Netzwerkveranstaltung können sich alle Geförderten einmal persönlich kennenlernen. Daraus entstehen immer wieder auch neue Verbindungen und Projekte“, so Spieß. Bestehende Verbindungen zwischen Forschenden aus Berlin und Oxford spielen auch bei der Auswahl der Geförderten durch den wissenschaftlichen Beirat eine Rolle. „Viele stehen vor der Bewerbung bereits mit Kolleginnen und Kollegen in Oxford in Kontakt, mit denen sie gemeinsam arbeiten“, erläutert er. „Gern stellen wir aber auch Verbindungen her.“

Meiner Meinung nach liegt der bislang größte Vorteil meines Einstein Fellowships in Berlin darin, dass ich die Karrieren einer jüngeren Generation talentierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördern kann, die Literaturwissenschaft studieren und grundlegende Fragen darüber stellen, wie sich Menschen und Ideen rund um den Globus verbreiten.

(Stefano Evangelista, Professor für Englische und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Oxford und Einstein BUA/Oxford Visiting Fellow am Großbritannienzentrum der Humboldt-Universität zu Berlin)

Inhaltlich ist die Oxford Berlin Research Partnerschaft breit aufgestellt. Lösungen zu finden für die „Grand Challenges“, die großen Transformationen unserer Zeit, bestimmt den Fokus. „Schwerpunkte, die wir strategisch gerade andenken, sind beispielsweise die Energiewende, die alternde Gesellschaft, ‚Democratic Resilience‘ oder die Digitalisierung der Geisteswissenschaften“, so Martin Spieß. „Wir versuchen aber auch Raum für kurzfristig aufkommende Themen zu lassen.“

Für die Gastforschenden aus Oxford ist allerdings nicht nur die reine Projektarbeit im BUA-Verbund spannend. Auch die Möglichkeit, längere Zeit in der Brain City Berlin zu leben – mit ihrem breiten Kulturangebot und der dynamischen und vielfältigen Forschungslandschaft –, begeistert die Programmteilnehmenden. „Es ist einfach schön zu erleben, wie gut die länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen der Partnerschaft funktioniert. Vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen ist dies von großer Bedeutung“, sagt Martin Spieß und ergänzt zusammenfassend: „Diese starken Verbindungen machen die Oxford Berlin Research Partnerschaft in meinen Augen wirklich besonders.“

Oxford Berlin Research Partnership

Text: Ernestine von der Osten-Sacken / Berlin University Alliance 

 

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