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© Rami Shacour
09.06.2026Rami Shacour - Humboldt-Universität zu Berlin
Rami Shacour zog 2017 mit seiner Familie und seinen Mitgründern von Haifa nach Berlin, angelockt vom EXIST-Stipendium und der Aussicht auf eines der dynamischsten Forschungsökosysteme Europas. Fast ein Jahrzehnt später steht sein Unternehmen Innosphere kurz vor einem Durchbruch, der die Behandlung von ADHS bei Kindern verändern könnte: mit gezielter elektrischer Hirnstimulation statt Medikamenten.
Die Arbeit von Innosphere liegt an der Schnittstelle von Neurowissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Übertragung validierter wissenschaftlicher Erkenntnisse in eine sichere, nicht-invasive Behandlung für Kinder mit ADHS. Ziel ist es, Aufmerksamkeit und kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern, ohne die Nebenwirkungen, die häufig mit medikamentösen Therapien verbunden sind. „Mich hat besonders der Bedarf nach wirksamen Behandlungsalternativen angetrieben, die nicht allein auf Medikamente setzen", sagt Shacour.
Die Idee, dass Neurowissenschaften und Technologie zusammenwirken können, um einen nicht-invasiven, sicheren und evidenzbasierten Behandlungsansatz zu entwickeln, ist für mich sowohl wissenschaftlich aufregend als auch persönlich motivierend.
Die Technologie im Kern des Innosphere-Ansatzes ist die nicht-invasive elektrische Hirnstimulation, eine Methode zur Modulation neuronaler Aktivität durch präzise gezielte elektrische Signale. Was Shacour daran fesselt, ist nicht nur die wissenschaftliche Komplexität, sondern auch das, was auf dem Spiel steht. „ADHS betrifft nicht nur Kinder, sondern auch ihre Familien, ihr Selbstvertrauen, ihre schulische Leistung und ihr soziales Wohlbefinden", erklärt er. „Kindern zu helfen, ihre Konzentration, ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensqualität zu verbessern und gleichzeitig den Stress für Eltern zu verringern, ist ein zutiefst sinnvolles Ziel."
„Innosphere erforscht nicht nur, wie nicht-invasive elektrische Hirnstimulation Gehirnaktivität und Aufmerksamkeitsregulation beeinflussen kann, sondern überführt diese Erkenntnisse auch in eine echte Behandlungslösung, die in der Praxis zugänglich und nützlich ist", sagt Shacour. Für ihn macht genau diese Brücke zwischen Spitzenforschung und praktischer Anwendung die Arbeit besonders wertvoll: Forschung, die zur klinischen Realität wird.
Das Unternehmen bereitet sich nun auf die nächste wichtige Phase seiner klinischen und regulatorischen Entwicklung vor. Nach der erwarteten FDA-Zulassung in den USA richtet sich der Blick auf den europäischen Markt. Zentral dafür ist eine geplante klinische Studie in Zusammenarbeit mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin, um die für die CE-Zulassung in Deutschland und der Europäischen Union erforderlichen Daten zu generieren. Diese Partnerschaft in der Brain City Berlin ist möglich, weil die Stadt eine einzigartige Konzentration an Weltklasse-Institutionen bietet.
Berlin schafft ein einzigartiges Forschungsumfeld, indem es führende internationale Expert*innen und eines der renommiertesten Krankenhäuser der Welt – die Charité – an einem Ort zusammenbringt.
Neben der Charité arbeitet Innosphere eng mit der Humboldt-Universität zusammen und vereint Expertise aus Neurowissenschaften, klinischer Forschung und medizintechnischer Entwicklung auf eine Weise, die, wie Shacour es formuliert, „hochgradig interdisziplinär ist und Forschende, Kliniker*innen, Ingenieur*innen und Unternehmer*innen zusammenbringt."
Sein Weg in die Brain City Berlin begann in Haifa, wo Shacour und seine Mitgründer das Konzept hinter Innosphere bereits entwickelten. Das EXIST-Stipendium brachte sie an die Humboldt-Universität und in das Berliner Innovationsökosystem, das das Unternehmen seither geprägt hat. Von Anfang an wurden sie von Berlin Partner unterstützt, die ihnen halfen, die praktischen und bürokratischen Aspekte der Unternehmensgründung und des Wachstums in Deutschland zu navigieren. Berlins Anziehungskraft, sagt Shacour, geht weit über seine Institutionen hinaus.
Berlin verbindet eine hohe Lebensqualität mit einem starken Umfeld für Forschung und Wirtschaft – Wachstum ohne Abstriche bei der Balance.
Für jemanden, der gleichzeitig eine Familie großzieht und ein internationales Medizintechnik-Unternehmen aufbaut, ist diese Balance entscheidend. „Es ermöglicht mir, weiterhin wirkungsvolle internationale Projekte wie Innospheres Initiative voranzutreiben und dabei eine gesunde Work-Life-Balance zu halten, meiner Familie nahe zu sein und meine Kinder in einem offenen, vielfältigen und unterstützenden Umfeld aufwachsen zu sehen."
Für Wissenschaftler*innen, die Berlin in Betracht ziehen, hat Shacour einen klaren Rat: proaktiv sein und über das Labor hinausdenken. „Chancen entstehen oft durch Zusammenarbeit und Vernetzung über verschiedene Fachrichtungen und Kulturen hinweg. Scheut euch nicht, Universitäten, Krankenhäuser, Inkubatoren und Organisationen wie Berlin Partner anzusprechen.“
Die Menschen hier sind im Allgemeinen sehr offen dafür, innovative Ideen und internationale Talente zu unterstützen.
Er sieht auch das längerfristige Bild klar. „Die eigentliche Herausforderung besteht nicht nur darin, wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen, sondern sie in Lösungen zu verwandeln, die das Leben von Menschen wirklich verbessern können." Diese Herausforderung definiert Innospheres eigene Entwicklung – und Berlin, mit seiner seltenen Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe, klinischer Infrastruktur und unternehmerischer Offenheit, ist besonders gut aufgestellt, sie zu unterstützen.
Für die Zukunft der Brain City Berlin hofft Shacour, dass die Stadt die Verbindungen zwischen Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern, Start-ups und regulatorischen Rahmenbedingungen weiter stärkt, „damit bahnbrechende Medizintechnologien effizienter vom Labor in die Patientenversorgung gelangen können." Wenn Innospheres eigener Weg ein Maßstab ist, ist Berlin bereits auf einem sehr guten Weg.