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24.08.2026Wasser in der Krise: Wie Berliner Forschung und ein Berliner Start-up das Wassermanagement der Zukunft gestalten
Der Sommer 2026 hat es deutlich gezeigt: Wasser ist in Berlin und Brandenburg kein selbstverständliches Gut mehr. Die Spree führte im Juli erneut besorgniserregend wenig Wasser, während gleichzeitig Starkregenereignisse die Kanalisation an ihre Grenzen brachten. Zu viel, zu wenig, am falschen Ort: Das Wassermanagement der Zukunft stellt die Region vor eine komplexe Aufgabe. Forscher*innen und ein junges Start-up arbeiten an Antworten in der und für die Brain City Berlin.
Wassermangel und Hochwasser: zwei Seiten derselben Medaille
Drei Jahre lang untersuchte ein Forschungsteam der TU Berlin gemeinsam mit anderen Institutionen das rund 3.500 Quadratkilometer große Einzugsgebiet der Unteren Spree zwischen Spreewald und Berlin. Das Ergebnis ist eindeutig: „Die Wasserkrise ist längst Realität. Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein grundlegender Wandel im regionalen Wassermanagement notwendig ist – weg von der schnellen Entwässerung, hin zur aktiven Speicherung und Rückhaltung von Wasser", sagt Irina Engelhardt, Leiterin des Fachgebiets Hydrogeologie an der TU Berlin und Projektkoordinatorin, in einer Pressemitteilung vom 30.06.2026. Entstanden sind aus dem Projekt eine digitale Wasserspeicher-Toolbox für Wasserversorger, Behörden und Kommunen sowie ein regionales Dürre-Frühwarnsystem auf Basis hochaufgelöster Klimaprognosen und hydrologischer Modelle.
Auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin forscht intensiv an der Wasserfrage – und liefert unbequeme Erkenntnisse: Ökologischer Hochwasserschutz durch die Wiederherstellung von Flussauen ist sinnvoll, technisch möglich und wirtschaftlich effizient. Und dennoch wird dieser Ansatz kaum konsequent umgesetzt, weil administrative und rechtliche Hürden zu hoch sind. Die IGB-Forschenden empfehlen Politik und Behörden daher, dem ökologischen Hochwasserschutz Vorrang zu geben und die dafür nötigen Flächen bereitzustellen. Damit ließen sich nicht nur Überschwemmungsrisiken verringern, sondern auch nationale und europäische Umweltziele besser erreichen.
Grundwasserdaten als Grundlage: das Start-up Hydro-Berlin
Wer Wasser managen will, muss es zunächst verstehen. Genau hier setzt das Berliner Start-up Hydro-Berlin an, das 2024 aus der TU Berlin ausgegründet wurde. Gründer*innen Judith Confal, Paul Knöll, Alexander Strom und ihr Team haben in Jahren wissenschaftlicher und praktischer Arbeit ein immer wiederkehrendes Problem beobachtet: Grundwasserdaten existieren in Hülle und Fülle, aber sie sind fragmentiert, schwer zugänglich und in getrennten Systemen gespeichert. „Gerade dieser Umstand hat uns zur Gründung und der Entwicklung unserer Monitoringplattform ENOLA bewogen", sagt Strom.
ENOLA ermöglicht es verschiedenen Akteur*innen, gleichzeitig mit denselben Grundwasserdaten zu arbeiten. Was banal klingt, ist in der Praxis ein erheblicher Fortschritt: „In der Praxis müssen regelmäßig Daten zwischen Ingenieurbüros, Wasserversorgern und der Behörde ausgetauscht werden. Die Datenformate sind dabei sehr heterogen, müssen letztendlich wieder zusammengeführt werden, damit sie gemeinsam auswertbar sind. Wir sprechen hier je Bundesland von hunderten Akteuren, die im Prinzip in einen Datenpool einspeisen sollten." Das Team arbeitet derzeit konkret an einem solchen Projekt für eine Landesbehörde. Was heute noch monatelange Handarbeit erfordert, soll durch gemeinsame Schnittstellen und standardisierte Datenformate künftig automatisiert ablaufen.
Die Daten, die in ENOLA einfließen, stammen aus Grundwassermessstellen: Rohre, die vertikal im Boden stecken und in die Grundwasser eindringen kann. Die Grundwasserstände werden entweder manuell oder über Drucksonden und eingebaute Modems erfasst, Qualitätsproben werden gepumpt, abgefüllt und ins Labor gebracht. Die Plattform bündelt diese Informationen und hilft dabei, eingehende Daten schnell auf Plausibilität zu prüfen. „Damit stärken wir die Kapazitäten unserer Hydrogeologinnen und Hydrogeologen", erklärt Strom.
Berlin als Testfeld und Wachstumsstandort
Dass Hydro-Berlin den Namen der Stadt im Firmennamen trägt, ist kein Zufall. Die Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung läuft bereits: ENOLA wird eingesetzt, um die Plausibilisierungsroutinen täglich eingehender Grundwasserstandsdaten zu beschleunigen, und wird pilotweise von der Landesgeologie Berlin getestet. Für das Spannungsfeld zwischen Wassermangel und Starkregenereignissen in der Region sieht Strom ENOLA als wichtiges Werkzeug: „Für das Wassermanagement der Zukunft brauchen wir verlässliche Daten, aus denen wir Informationen zur Wasserverfügbarkeit und der Wasserqualität ableiten. Diese Daten brauchen eine effiziente Infrastruktur und Personal, das die Daten erstmal prüft, bevor sie in irgendein Modell eingehen."
Im direkten Zusammenhang mit Hochwasser kann ENOLA dabei helfen, die Reaktionen von Grundwasser, Flüssen, Seen und Boden auf Hochwasserereignisse zu untersuchen und daraus Schutzmaßnahmen abzuleiten. Auch die Überwachung von Grundwasserständen zwischen Siedlungen und Rückhaltebecken, um Kellervernässungen zu verhindern, ist ein konkreter Anwendungsfall.
Für das Unternehmen selbst bietet die Brain City Berlin ideale Bedingungen: die enge Verbindung zur Forschung durch die TU-Ausgründung, das Berliner Startup-Stipendium von Science & Startups, die fachliche Begleitung durch Prof. Tomas Fernandez-Steeger sowie ein dichtes Netzwerk aus Kontakten zum KWB Kompetenzzentrum Wasser Berlin und dem GFZ Geoforschungszentrum Potsdam. Hinzu kommt das Engagement im Normungswesen: Als Konsortialmitglied in der DIN SPEC Gruppe „Digitale Systeme in der Wasserwirtschaft" trägt Hydro-Berlin aktiv dazu bei, die Standardisierung von Wasserdaten voranzubringen, die Voraussetzung für alle weiteren Fortschritte ist.
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