• Prof. Dr. Christopher Zarnow im kleinen Lesesaal der Hochschulbibliothek

    Christopher Zarnow, Evangelische Hochschule Berlin

Prof. Dr. Christopher Zarnow lehrt seit 2016 als Professor für Systematische Theologie und Ethik an der EHB. Zuvor war der promovierte Theologe mehrere Jahre in der Wissenschaft (u.a. in Halle und München) tätig, bevor er zunächst Pfarrer einer Berliner Stadtgemeinde und dann stellvertretender Superintendent wurde. Als Mitbegründer des „Theologischen Labors“ erforscht er das religiöse Leben in Berlin.

WO AUF DEM CAMPUS KOMMEN IHNEN DIE BESTEN IDEEN?

Weniger auf dem Campus, sondern unter der morgendlichen Dusche und danach auf dem Fahrrad zur EHB. Es passiert häufiger, dass ich auf halber Strecke anhalte und mir Notizen ins Handy diktiere. Das kann ein Gedanke für eine Lehrveranstaltung sein, eine Formulierung für einen Artikel. Mit dem ersten Abrufen der E-Mails beginnt dann das kleinräumige Denken. Daher versuche ich in kreativen Arbeitsphasen, das E-Mailprogramm so spät wie möglich zu öffnen.

WELCHEN THEMEN GILT IHRE GRÖSSTE LEIDENSCHAFT?

Ein Thema, das mich seit der Gründung des „Theologischen Labors“ sehr beschäftigt, ist die Erforschung des Himmels über Berlin. Unter diesem Himmel sind ja unterschiedlichste soziale, kulturelle und auch religiöse Welten vereint. Das macht etwas mit den Menschen, die hier leben, auch für die Art, wie sie glauben, zweifeln, beten. Das fasziniert mich, das möchte ich genauer verstehen und erforschen. Ich glaube, dass eine relevante „Theologie der Stadt“ als eine Seh- und Hörschule beginnen muss: Als Bewohner dieses Stadt-Planeten genau hinzusehen und hinzuhören, was um mich herum, aber auch was im eigenen Inneren passiert.

FÜR WAS STEHT DAS „E“ FÜR SIE IM NAMEN DER EHB?

Dafür, wozu wir es gemeinsam machen wollen. Das „E“ lässt sich jedenfalls nicht über die Köpfe der unterschiedlichen Gruppen, die an der EHB arbeiten und studieren, hinweg definieren. Als identity markersind damit dieselben Fragen verbunden wie mit jeder anderen Identitätskonstruktion auch: Wofür braucht man sie? Gegenüber wem will man sich profilieren? Wird Identität über Abgrenzung, über die Aufzählung von Merkmalen oder über das Erzählen einer Geschichte gewonnen? Meine eigene, biographische Geschichte mit dem „E“ ist mit Erfahrungen der religiösen Emanzipation, des kritischen Denkens und der theologischen Leidenschaft verbunden. Diese Erfahrungen möchte ich ins gemeinsame Ringen um das „E“ der EHB mit einbringen.

WARUM WIR?

Was ich an der EHB schätze, ist die Nähe: die persönliche Nähe zu den Studierenden, die menschliche Nähe im Kollegium, aber auch die Realitätsnähe der Inhalte, mit denen wir uns in den Seminaren und Lehrveranstaltungen beschäftigen. Diese Realitätsnähe erlebe ich als ein gutes Gegengewicht zur Tendenz der akademischen Theologie, auch gern einmal in luftige Höhen abzuheben und hinter den Wolken zu verschwinden. Im Bild gesprochen: Mein Ziel in der Lehre besteht darin, mit dem Flugzeug der Theologie nur soweit abzuheben, dass der Boden noch immer gut erkennbar bleibt. Ich denke, diese mittlere Flughöhe macht uns aus. Wer sich in diesen Lagen wohlfühlt, ist hier richtig.

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