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    Wenn Baustoffe wachsen: Bauen mit Pilzen

Häuser aus Pilzen? Was nach Science-Fiction klingt, ist an der Technischen Universität Berlin Gegenstand intensiver Forschung. Vom 13. bis 16. Oktober 2026 kamen Forschende aus den Bereichen Biotechnologie, Architektur, Materialforschung, Design und Kunst zur internationalen Konferenz „Building with Fungi“ in die Brain City Berlin. Ihre gemeinsame Frage: Wie belastbar sind Baustoffe aus Pilzen, und wie lassen sie sich in großem Maßstab herstellen? 

Grundlage der neuen Werkstoffe ist das Myzel, das feine, verzweigte Geflecht, mit dem Pilze im Boden oder im Holz wachsen. Gibt man Pilzen pflanzliche Reststoffe wie Hanfschäben oder Holzspäne, durchwachsen sie das Material und verbinden es zu einem festen Verbund. Am Ende wird der Pilz durch Hitze abgetötet. Übrig bleibt ein leichter Werkstoff, der sich etwa als Dämmstoff, als Bauteil oder in Verbindung mit anderen Materialien einsetzen lässt. 

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigten mehrere Projekte auf der Konferenz. In Namibia hat das Team von MycoHab aus einem invasiven Busch, der dort große Weideflächen überwuchert, zunächst Speisepilze gezogen und das durchwachsene Substrat anschließend zu Bausteinen gepresst. Daraus entstand in Windhoek ein Gebäude, das nach Angaben des Teams allein von Pilz-Bausteinen getragen wird. Der US-Künstler Sam Shoemaker paddelte 2025 in einem Boot aus Pilzmaterial rund 42 Kilometer über den Pazifik vor Los Angeles. 

Noch viele offene Fragen 

Bis Pilzmaterialien auf deutschen Baustellen ankommen, ist es allerdings noch ein weiter Weg, auch darüber wurde in Berlin offen diskutiert. Der Ingenieur und Chemiker Mitchell P. Jones von der TU Wien wies darauf hin, dass Festigkeit, Haltbarkeit und Wärmedämmung vieler Pilzmaterialien bislang hinter herkömmlichen Baustoffen zurückbleiben und die Herstellung oft langsam und schwer zu automatisieren ist. Auch der ökologische Nutzen müsse im Einzelfall belegt werden. An solchen Fragen arbeiten zahlreiche Projekte, die auf der Konferenz vorgestellt wurden: von der Frage, welche Pilzarten sich für welche Anwendungen eignen, über den 3D-Druck mit lebendem Myzel bis zur Verwertung von Altholz und Brotresten als Nährboden. 

Warum sich die Suche lohnt, machte der Architekt Prof. Eike Roswag-Klinge deutlich, Vizepräsident der TU Berlin und Präsident der Architektenkammer Berlin. Bauen verursacht hohe Treibhausgasemissionen und einen großen Rohstoffverbrauch: Nach seinen Angaben werden in Deutschland 92 Prozent der abgebauten mineralischen Rohstoffe für Gebäude und Infrastruktur verwendet. Nachwachsende Materialien könnten hier einen Beitrag leisten. 

Forschung zwischen Labor, Architektur und Kunst 

Eingeladen hatte der Sonderforschungsbereich „MY-CO BUILD“ der TU Berlin, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2026 fördert. Unter der Leitung der Biotechnologin und Künstlerin Prof. Dr. Vera Meyer von der TU Berlin erforschen dort Teams aus Biotechnologie, Ingenieurwissenschaften und Architektur, wie sich Baustoffe aus Pilzen herstellen, prüfen und bewerten lassen. Im Mittelpunkt steht häufig der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), ein in heimischen Wäldern verbreiteter Pilz. 

„Wir haben schon so viel erreicht: Eine neue Disziplin „Fungal Materials Science“ und eine neue, dazu passende Internationale Konferenzserie, die die Naturwissenschaften, die Geisteswissenschaften, die Künste, das Design, die Architektur und DiY vereint. Und damit den Menschen und seine Kultur in den Mittelpunkt stellt - um davon ausgehend - neue nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu finden“, erklärt Prof. Dr. Vera Meyer. Die Konferenz hatte 165 Teilnehmende und wird auch nächstes Jahr wieder stattfinden: „Für viele Teilnehmer waren die Keynote-Vorträge und Gespräche mehr als nur eine Inspiration: Sie waren augenöffnend und bahnbrechend. Die BwF 2026 hat damit eine hervorragende Grundlage für den Erfolg der Konferenzreihe geschaffen, und ich freue mich schon jetzt darauf, alle 2027 wieder hier in Berlin begrüßen zu dürfen.“ Die Daten dafür sind der 5. bis 8. Oktober 2027.   

Dass die Brain City Berlin ein guter Ort für dieses Thema ist, zeigte das Programm: Neben der TU Berlin mit der Architektin Prof. Anupama Kundoo waren unter anderem das Exzellenzcluster „Matters of Activity“ der Humboldt-Universität zu Berlin und die Kunsthochschule Berlin-Weißensee vertreten. Eine Materialausstellung am 14. Oktober machte die Werkstoffe greifbar, Filmvorführungen und Workshops ergänzten das Programm. Wer die Pilzmaterialien selbst sehen möchte, hat dazu im Deutschen Technikmuseum Gelegenheit: MY-CO BUILD ist an der Ausstellung „SuperCity 3000. Unsere Stadt der Zukunft“ beteiligt. Diese läuft noch bis zum 27. Juni 2027.  

 

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