• © The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén

    Medizin-Nobelpreis für Peter Hegemann: Wie ein Algenprotein die Hirnforschung verändert hat

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 geht an den Biophysiker Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin. Er teilt sich die Auszeichnung mit Georg Nagel von der Universität Würzburg und dem US-Forscher Karl Deisseroth. Das Nobelkomitee würdigt ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen, die den Weg zur Optogenetik geebnet haben. Für die Brain City Berlin ist es ein besonderer Tag. 

Vom Algenprotein zum Werkzeug der Hirnforschung 

Am Anfang stand eine Grünalge. Hegemann und Nagel entdeckten in ihr das Protein Kanalrhodopsin, das Zellen lichtempfindlich macht: Trifft blaues Licht auf das Protein, öffnet sich ein winziger Kanal in der Zellmembran. Karl Deisseroth schleuste das Gen für dieses Protein in Nervenzellen von Ratten ein und konnte sie so mit Licht gezielt aktivieren. 

Daraus entstand die Optogenetik, eine Methode, mit der sich einzelne Nervenzellen im lebenden Gehirn an- und abschalten lassen. Forschende können damit untersuchen, wie Nervenzellen Erinnerungen, Gefühle und Verhalten prägen. „Diese Methode wird heute in Laboren weltweit eingesetzt, um die Geheimnisse des Gehirns zu entschlüsseln“, schrieb das Nobelkomitee. Inzwischen wird das Verfahren auch therapeutisch erprobt, etwa in der Augenheilkunde. 

Grundlagenforschung mit langem Atem 

Hegemanns Weg zeigt, wie aus Neugier ein Werkzeug für die Medizin werden kann. Über Jahrzehnte erforschte er, wie Algen Licht wahrnehmen, lange bevor absehbar war, dass seine Ergebnisse die Neurowissenschaften verändern würden. Das Kanalrhodopsin entdeckte er Anfang der 2000er-Jahre, damals noch an der Universität Regensburg. 2004 wechselte er an die Humboldt-Universität zu Berlin, wo er die Arbeitsgruppe Experimentelle Biophysik leitet und heute Hertie-Seniorprofessor für Neurowissenschaften ist. In der Brain City Berlin hat er die lichtempfindlichen Proteine mit seinem Team weiter erforscht und ihre Funktionsweise im Detail entschlüsselt. 

Was der Preis für den Wissenschaftsstandort bedeutet 

Ein Nobelpreis lenkt den Blick der internationalen Fachwelt auf die Einrichtung, an der die Preisträger forschen, und macht sie für Nachwuchsforschende aus aller Welt sichtbarer. Davon können die Humboldt-Universität und die Berliner Neurowissenschaften insgesamt profitieren, die bereits heute eng mit Einrichtungen wie der Charité zusammenarbeiten. 

Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra gratulierte Hegemann und seinen Mitpreisträgern. Die Auszeichnung sei Anlass zu großer Freude für den Wissenschaftsstandort Berlin. Mit seiner forschungspolitischen Strategie wolle das Land gerade diesen Bereich der Gesundheitsforschung noch stärker fördern. 

Hegemann reiht sich in eine Liste von Nobelpreisträgerinnen und -trägern ein, die in den vergangenen Jahren in Berlin geforscht haben: Gerhard Ertl erhielt 2007 den Chemie-Nobelpreis für seine Arbeiten am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Emmanuelle Charpentier 2020 für die Entwicklung der Genschere CRISPR/Cas9. Sie leitet heute die Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin. Der Preis für Hegemann zeigt erneut, welche Wirkung Grundlagenforschung in der Brain City Berlin entfalten kann. 

Die Nobelpreise werden am 10. Dezember in Stockholm überreicht. 

 

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