• Myon, Beuth Hochschule Berlin, Brain City Berlin

    Folge 9: „Sprechen mit Häusern & Robotern − die Stadt der Zukunft“ (6. Februar 2021)

Wie werden wir künftig in der Stadt leben? Wird unser Alltag völlig digitalisiert sein – und werden Roboter uns daheim unterstützen? In der 9. Folge des LNDW-Podcast diskutieren drei Expert*innen aus der Brain City Berlin über die Stadt von morgen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Dipl.-Ing.Anne-Caroline Erbstößer, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Technologiestiftung Berlin im Bereich Technologie und Stadt, Axel Schultz, Leiter der Siemens Niederlassung Berlin/Brandenburg und General Manager Smart Infrastructure der Region Ost sowie Brain City-Botschafter Prof. Dr. Manfred Hild, Professor für Digitale Systeme an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Als Leiter des Forschungslabors für Neurorobotik erzählt er mehr über das aktuelle Forschungsprojekt „RoSen“.

Den Roboter Myon kennt in Berlin inzwischen fast jedes Kind. Er stand als Star auf der Bühne der Komischen Oper Berlin, bereiste Städte, trat auf Messen auf und begrüßte 2015 sogar die Queen bei ihrem Berlin-Besuch. Entwickler, und damit quasi der Vater des rund 1,25 Meter großen, einäugigen Gesellen, ist Brain City-Botschafter Prof. Dr. Manfred Hild. Als  Professor für Digitale Systeme lehrt er an der Beuth Hochschule für Technik Berlin im Rahmen des 2018 gegründeten Studiengangs „Humanoide Robotik“ und leitet das Forschungslabor für Neurorobotik. Hier entstand auch Myon, der eigentlich eine Art Baukastensystem ist. Denn seine sechs autonomen Körperteile – Kopf, Torso, zwei Arme und zwei Beine – werden immer wieder mal abmontiert und neu zusammengesetzt. Das neuronale Netz ist dezentral über den Roboter verteilt. Aktuell steht er als „Plattform“ für das Forschungsprojekt „RoSen“ zur Verfügung, dass die Beuth Hochschule in enger Zusammenarbeit mit der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) und der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG als Partner durchführt. 

In dem Projekt diskutieren Studierende der Beuth Hochschule mit Senior*innen und Mitarbeiter*innen in Wohnanlagen und technologischen Expert*innen.“  Pandemiebedingt findet Austausch derzeit per Brief und Telefon statt. Die Forscher*innen wollen zunächst einmal herausfinden, welche Wünsche und Bedürfnisse die Befragten in Bezug auf Roboter haben. Danach sollen mögliche Anwendungsszenarien skizziert werden. „Es geht vor allem darum, wie sich die Ingenieur*innen von morgen mit den Anwender*innen austauschen, um zu schauen, was brauchen wir wirklich und was macht Sinn“, erläutert Dr. Manfred Hild. Die Forscher*innen der ASH Berlin beobachten den Austausch begleitend – und stellen dabei etwa fest, wenn beide Parteien aneinander vorbei reden.

Berlin ist ein Super-Standort und eine Smart City, weil hier viele bunte, kreative und kluge Köpfe wohnen und miteinander interagieren. Das ist wichtiger Vorteil.
(Prof. Dr. Manfred Hild, Forschungslabor Neurorobotik)

Das angezielte Ergebnis von RoSen sind denn auch keine marktfähigen Anwendungen, sondern vor allem Empfehlungen: „Wie man Fehler in der Kommunikation zwischen Ingenieur*innen und Anwender*innen so weit wie möglich ausschließen kann“, so Dr. Manfred Hild. Darüber hinaus tragen die am Projekt beteiligten Senior*innen dazu bei, künftige Roboter-Helferlein „zu formen“: „Roboter wie unser Myon können zwar noch nicht viel, aber auch sie lernen in einem Projekt wie RoSen dazu. Die Senior*innen helfen den Robotern also, etwas besser zu sein als zuvor.“ Bislang existiere die allgemeine Vorstellung, dass die Industrie die Roboter forme. „Dann kommen sie in den Haushalt und funktionieren – etwa so wie ein Fernseher funktioniert. Wenn Roboter aber wirklich intelligente Tätigkeiten oder Dialoge führen sollen, müssen die das erst erlernen. wie ein Kleinkind.“

Wie die Stadt der Zukunft aussehen wird, das vermag allerdings auch Dr. Manfred Hild nicht vorherzusehen. „Wer jetzt in die Glaskugel blicken will, der wird einfach nur trüb sehen.“ Grundsätzlich spricht sich der Roboter-Forscher gegen eine künftige Regulierung des Menschen durch die Technik aus. „Meine Hoffnung ist, dass die Bürger*innen in der Stadt der Zukunft nicht durch technischen Schnickschnack entmündigt werden. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, möchte ich keine Nachrichten sehen. Und auch beim Duschen genieße ich die Zeit, zu reflektieren.“ Andererseits hätten viele Menschen nach wie vor das Bild des Roboters im Kopf, der die gemachte Wäsche bringe. Für die Zukunft wünscht sich der Brain City-Botschafter daher auch, „dass wir eine Diskussion führen, in der technische Dienstleistungen als Dienstleistungen auf Augenhöhe betrachtet werden.“ (vdo)

Die Gäste des 9. LNDW-Podcasts

Die einzelnen Folgen des Podcasts – am 6. jedes Monats online