• Mutter und Kind in Bibliothek, Brain City Berlin

    Von der Tierparkschule bis zum Mutterschutz – familienfreundliche Hochschulen

Das Studium oder eine Lehrtätigkeit mit der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen zu vereinbaren, ist keine leichte Aufgabe. Davon wissen Studierende ebenso wie Dozent*innen seit Generationen ein Lied zu singen. Zum Glück hat sich in der Hochschullandschaft der Brain City im Laufe der Jahrzehnte einiges getan. Familienfreundlichkeit ist in den Studien- und Prüfungsordnungen der Berliner Universitäten und Hochschulen inzwischen fest verankert – und das Beratungs- und Betreuungsangebot vielfältig. Ein engagiertes Beispiel ist die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Als eine von mehreren Berliner Hochschulen erhielt die HWR Berlin Mitte Juni bereits zum zweiten Mal das Zertifikat zum „audit familiengerechte hochschule“. 

„Seit ich vor 19 Jahren als Professorin an der Hochschule begann, hat sich eine Menge getan“, sagt Dr. Madeleine Janke, Professorin für Betriebliches Rechnungswesen und Leiterin des deutsch-französischen Studiengangs Internationales Management an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). „Damals war ich eine der wenigen Professorinnen mit Kind an der HWR Berlin. Und der Fokus an den Hochschulen war noch nicht so sehr auf Familienfreundlichkeit ausgerichtet wie heute.“

Eine Lehr- und Forschungstätigkeit oder ein Studium mit der Betreuung von Kindern oder Familienangehörigen zu vereinbaren, stellt auch heute noch eine Herausforderung dar, die den Betroffenen Management-Skills und starke Nerven abverlangt. Damals war sie kaum zu bewältigen. „Ohne die engagierte Unterstützung meiner Familie hätte ich es vermutlich nicht geschafft“, erinnert sich Madeleine Janke. 

Inzwischen nutzt die Mutter von drei Kindern punktuell das Betreuungsangebot der HWR Berlin und profitiert als Berufstätige mit Doppelbelastung auch von weiteren familienfreundlichen Maßnahmen der Hochschule. Dazu gehört beispielweise die  flexible Planbarkeit von Terminen. Oder die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen – wie in Zeiten des Corona-Präsenznotbetriebs –  auch zeitlich unabhängig ins Netz zu stellen, damit Studierende darauf zugreifen können. 

Das Angebot zur Schaffung „familiengerechter Arbeits- und Studienbedingungen an der HWR Berlin ist ausgesprochen vielfältig: Es reicht von individuellen Beratungen und Sprechstunden über eine Kinderbetreuung an den beiden Standorten Schöneberg und Lichtenberg bis hin zu flexiblen Arbeitszeit-Optionen für Hochschulangehörige. Für ihre familiengerechte Ausrichtung wurde die HWR Berlin Mitte Juni bereits zum zweiten Mal im Rahmen eines Audits als „Familiengerechte Hochschule“ zertifiziert. Auch andere Berliner Universitäten und Hochschulen, darunter die Humboldt-Universität zu Berlin (HU), die Freie Universität Berlin (FU) und die Technische Universität Berlin (HU), wurden 2020 mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet

Prof. Dr. Andreas Zaby, Präsident der HWR Berlin, mit dem Zertifikat „audit familiengerechte hochschule" (© HWR Berlin/Sylke Schumann)

Ein familiengerechter Lehrplan ist heute elementar

Bereits 2018 hatte die HWR Berlin ein „Gleichstellungszukunftskonzept“ verabschiedet, das einen umfangreichen Katalog familienfreundlicher Maßnahmen umfasst. „Für die HWR Berlin ist es substanziell, familiengerechte Arbeits- und Studienbedingungen fest in sämtlichen Leistungsbereichen zu verankern“, erläutert HWR-Präsident Prof. Dr. Andreas Zaby. „Das hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen ist die Mischung unserer Studierenden, Professor*innen, Lehrbeauftragten, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Beschäftigten in Verwaltung und Technik heute eindeutig bunter und heterogener als früher. Dieser Vielfalt wollen wir begegnen, indem wir bestmögliche Studienbedingungen für alle schaffen. Zum anderen geht es uns darum, möglichst viele qualifizierte Menschen für unsere Hochschule zu gewinnen – von Professor*innen über Verwaltungsmitarbeiter*innen bis hin zu Techniker*innen.“

Neben einem breiten Spektrum an Betreuungs- und Beratungsangeboten ist die familiengerechte Lehrplanung heute eine elementare hochschulpolitische Zielsetzung. Dazu gehören auch die Weiterentwicklung von Blended-Learning-Modellen und die Aufnahme der Vereinbarkeit von Beruf, Wissenschaft und Familie in das Personalentwicklungskonzept. „Die Planbarkeit von Zeiten und Terminen ist für Eltern essenziell. Gremiensitzungen, die früher gern mal bis spät in den Abend hinein ausuferten, haben wir daher abgeschafft. Um 17 Uhr muss heute Schluss sein. Die Termine werden außerdem bis zu zwei Jahre im Voraus festgelegt. So können sich tatsächlich alle unserer Mitarbeiter*innen in die Gremien einbringen“, erläutert Andreas Zaby. „Klare Regelungen innerhalb der Prüfungsordnung stellen außerdem sicher, dass Studentinnen vor und nach der Entbindung keine Nachteile in Bezug auf Prüfungen oder Abgabetermine entstehen. Darüber hinaus bieten wir Studierenden mit familiären Verpflichtungen die Möglichkeit des Teilzeitstudiums an.“ 

Die Brain City Berlin – ein idealer Standort für Akademiker*innen und ihre Familien

Laut Andreas Zaby bietet die Brain City Akademiker-Eltern ein ideales Umfeld: „Berlin hat relativ früh damit begonnen, entgeltfreie Kitaplätze anzubieten. Das Angebot an internationalen Schulen in der Stadt ist außerdem ausgesprochen groß. Beides wird in akademischen Kreisen als großes Plus gewertet.“ Hinzu kommt: Sämtliche Berliner Hochschulen haben Zugriff auf das Dual Career Network Berlin, das Fach- und Führungskräfte aus Wissenschaft und Wirtschaft, die aus dem Ausland in die Brain City Berlin ziehen, samt ihrer Familien beratend unterstützt.  

Ein Highlight im Betreuungsprogramm der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin ist auch in diesem Jahr wieder die „Ferienbetreuung“. Im Sommer 2019 wurde das Format zum ersten Mal angeboten, da die Schulferien bereits vor der vorlesungsfreien Zeit begannen. Madeleine Janke, deren jüngste Tochter im vergangenen Jahr daran teilnahm, ist nach wie vor begeistert: „Der Standort Lichtenberg bot eine Tierparkschule an, der Standort Schöneberg einen einwöchigen Theaterworkshop. Unter Anleitung einer Theaterpädagogin studierten die Kinder eine Woche lang ein Stück zu einem selbst gewählten Thema ein, das anschließend aufgeführt wurde. Meine Tochter hat sehr viel Spaß dabei gehabt. Und für mich war das Angebot äußerst komfortabel. Ich konnte sie morgens um 8 Uhr dort absetzen und bereits wenige Minuten später im Hörsaal stehen.“ Die kurzen Wege bedeuteten für die Professorin eine wichtige zeitliche Ersparnis. Doch nicht nur das: „Es war auch sehr beruhigend, meine Tochter in der Nähe und in guten Händen zu wissen.“ Wegen der Corona-Pandemie findet die Ferienbetreuung am Standort Schöneberg in diesem Sommer nicht statt. Sollte sie in den Herbstferien wieder auf dem Betreuungs-Programm der HWR Berlin stehen, da ist Madeleine Janke sich sicher, wird ihre Tochter sehr gern wieder daran teilnehmen. (vdo)

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