•  Dipl.-Ing. Sonja Jost, Geschäftsführerin DexLeChem

    Dipl.-Ing. Sonja Jost, Technische Universität Berlin/DexLeChem

Brain City-Botschafterin Sonja Jost studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Technische Chemie an der Technischen Universität Berlin. Anfang 2013 wagte sie aus der Uni heraus den Sprung in die Selbständigkeit – und gründete zusammen mit drei Mitgesellschaftern erfolgreich das Start-up DexLeChem. Ihre Zielsetzung: Produktionsprozesse in der chemischen Industrie durch innovative Ansätze im Bereich Grüne Chemie zu verbessern.

„Ich will die Dinge verändern. Wenn ich sehe, dass man ökologischer produzieren und dabei Kosten einsparen kann, lehne ich mich nicht zurück. Ich bin nicht der Typ, der abwartet“, sagt Sonja Jost. Dass die Brain City-Botschafterin erfolgreich die Ärmel hochkrempelt, zeigt die Geschichte ihres Unternehmens. Denn nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Technische Chemie an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin), gründete sie zusammen mit zwei Kommilitonen und einem Mentor aus einem Projekt des Exzellenzclusters Unifying Concepts in Catalysis (UniCat) der TU Berlin heraus das Chemie-Start-up DexLeChem. Das Grundprodukt des jungen Unternehmens: ein Verfahren, mit dem man komplexe Chemikalien statt in teuren erdölbasierten organischen Lösungsmitteln in Wasser produzieren kann. „Das war vorher nicht möglich, weil man dafür bestimmte komplexe homogene Katalysatoren nutzen musste, die sich nicht in Wasser einsetzen ließen“, erläutert Sonja Jost. Ich hatte herausgefunden wie man die Katalysatoren in Wasser reaktivieren kann. Das Besondere an dem Verfahren: Es ist umwelt- und auch ressourcenschonend, denn im Gegensatz zu den Erdöl basierten Verfahren, lassen sich die Katalysatoren in Wasser-basierten Verfahren schonend vom Produkt trennen und mehrfach einsetzen. Das spart bis zu 82 Prozent an Kosten.  

Der Start für das junge Unternehmen war nicht leicht. „Damals gab es nur wenige Chemie-Start-ups in Deutschland. Und alle denen wir von unserer Idee erzählten, rieten uns ab.“ Doch Sonja Jost und ihr Team glaubten an ihre Idee. An der Hochschule fanden sie Unterstützung. „Im ersten Jahr konnten wir noch die Einrichtungen an der TU Berlin mitnutzen. Wir haben das damals nur geschafft, weil uns zwei Professoren halfen. Wir hatten außerdem das große Glück, das Drittmittelprogramm EXIST-Forschungstransfer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energier (BMWi) zu erhalten. Das ist sozusagen der große Bruder des Gründungsstipendiums. Diese Förderung erhalten nur sehr wenige Teams. Pro Jahr waren es rund 30 Projekte in ganz Deutschland. Dass ein Chemie-Start-up dabei war, war schon eine große Sache. Es zeigt zugleich, dass in dem Bereich ein hoher Bedarf besteht.“

Das ist das Schöne an Berlin: Wir haben hier eine exzellente Wissenschaft und eine tolle naturwissenschaftliche Start-up-Szene. Der Mix macht’s!

Rund 1,5 Jahre brauchte das DexLeChem-Team, um den ersten Kunden zu gewinnen. „Wir sind auf Messen gegangen und niemand hat uns ernst genommen. Daher traten wir kommunikativ verstärkt in die Öffentlichkeit, denn die Chemiewende ist unabdingbar. In der chemischen Forschung sind immer noch fast alle Produkte und Produktionsprozesse auf endlichen Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas aufgebaut. Diese Ressourcen werden irgendwann wegfallen. Wir bieten Herstellern eine grüne Alternative.“ Inzwischen hat sich das Start-up erfolgreich im Markt verankert – und bietet seinen Kunden weitere Lösungen und Dienstleistungen im Bereich Grüne Chemie und Digitalisierung an. Zu den Kunden des Unternehmens zählen mittlerweile Unternehmen in acht europäischen Ländern und den USA, der Bedarf steigt stetig. 

Mit der Wissenschafts-Szene in der Brain City Berlin ist DexLeChem nach wie vor gut vernetzt, wie Sonja Jost bestätigt.Die Nähe zur Wissenschaft in Berlin hat für uns sehr großen Wert. Wir arbeiten immer noch eng mit dem Exzellenz-Cluster an der TU-Berlin zusammen. Auch mit Professor*innen von der Humboldt-Universität zu Berlin ,der Freien Universität Berlin sowie verschiedenen Fachhochschulen gab und gibt es enge Verbindungen. Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft in den Markt zu bringen, ist uns sehr wichtig. Wir sind daher immer offen für Kooperationen. Das ist das Schöne an Berlin: Wir haben hier eine exzellente Wissenschaft und eine tolle naturwissenschaftliche Start-up-Szene. Der Mix macht’s! 

Ihr Tipp für Nachwuchswissenschaftler*innen, die sich selbständig machen möchten? „Viele stehen zunächst vor einem Berg und wissen nicht, wie sie das Ganze angehen sollen. Mein Tipp wäre, Unternehmen, die schon ein paar Jahre auf dem Markt sind, anzuschreiben und zu fragen, ob diese vielleicht Ratschläge geben können“, so Sonja Jost und ergänzt hilfsbereit: „Das kann DexLeChem sein – im Chemiebereich machen wir das sehr gern. Im naturwissenschaftlichen Bereich gibt es darüber hinaus viele erfolgreiche Unternehmer*innen, die gerne mit Rat und Tat unterstützen. 

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