• Porträt Prof. Thomas Bremer, HTW Berlin

    Prof. Thomas Bremer, DE:HIVE Game Hub, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Spiele bedeuten für die meisten von uns Spaß und Unterhaltung. Für Prof. Thomas Bremer, Leiter des  2016 gegründeten DE:HIVE Game Incubators an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), sind sie vor allem ein spannendes Forschungsthema. 

„In meiner Forschung dreht sich alles um Spiel und Methoden des Spiels. Dabei geht es sowohl um Spiel im Allgemeinen als auch um digitale Spiele/digitale Games im Speziellen. Ein Schwerpunkt meiner Forschung beschäftigt sich mit den Regelwerken und Mechanismen der Spiele. Sprich: Wie diese mit unseren Handlungen und Wahrnehmungen korrelieren“, erläutert Brain City-Botschafter Thomas Bremer. Besonders fasziniert ihn an seinem Forschungsgebiet, dass Spiele das Potenzial haben, zu einer der interessantesten ästhetischen Ausdrucksformen des 21. Jahrhunderts zu werden. „Wir können in ihnen gesellschaftliche, kulturelle, soziale und ästhetische Fragen aushandeln und im wahrsten Sinne durchspielen. Doch dazu bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung.“ 

Als Wissenschaftler geht es Thomas Bremer darum, die in der Gesellschaft etablierten Spielprinzipien und Regelwerke aufzudecken und zu hinterfragen, die gesellschaftsverändernden Potenziale von Spielen zu reflektieren – und die Gestaltungskräfte des Spiels auch künstlerisch zu erproben. Denn das Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK Hamburg) und ein gleichzeitig erwachtes Interesse an neuen Technologien und Informatik brachten den Gameforscher ursprünglich zu den digitalen Spielen, „da sich hier beides miteinander auf faszinierende Weise verbindet. Sowohl meine wissenschaftlichen als auch meine künstlerischen Interessen kann ich in diesem Gebiet auf vielfältige Weise zusammenbringen. Das ist bei kaum einer anderen Disziplin so möglich.“ 

Doch Gamedesign-Kompetenzen lassen sich auch in andere Bereiche transferieren – ein weiterer Aspekt der Forschung am DE:HIVE. Ein Beispiel: das Projekt SMART GAMES. „Hier geht es um die Entwicklung von Spielmechanismen, die Methoden des Kognitionstraining implementieren. So lassen sich Spiele mit positiven Einfluss auf unsere Hirnfunktionen schaffen.“

Die große Vielfalt der wissenschaftlichen Einrichtungen in der Stadt bietet hervorragende Voraussetzungen, um kooperative Projekte zu realisieren – bei gleichzeitig kurzen Wegen. 

Die Brain City Berlin bot Thomas Bremer von Anfang an die Chance, sein damals noch eher ungewöhnliches Forschungsinteresse intensiv zu verfolgen. „Als ich 2008 den Studiengang Game Design an der HTW Berlin konzipierte, gab es in der Stadt und meiner Hochschule die entsprechende Offenheit ein derartiges Gebiet neu aufzubauen.“ Heute arbeiten der Game-Forscher und sein Team mit verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin zusammen, darunter das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) und das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Aber auch Berliner Theater und Museen gehören zu den Projektpartnern des DE:HIVE. 

Die große Vielfalt und Offenheit der wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen in Berlin schätzt Thomas Bremer nach wir vor: „Die Stadt bietet hervorragende Voraussetzungen, um kooperative Projekte zu realisieren – bei gleichzeitig kurzen Wegen“, so der Wahlberliner, der bereits Mitte der 1980er-Jahre nach Berlin kam, die Stadt dann für längere Aufenthalte in Hamburg und New York verließ, aber seit 1995 wieder fest in der Stadt verankert ist. „Berlin verbindet für mich viele Vorzüge. Ein wunderschönes Umland und lebendige, sich unterscheidende Kieze. Ich mag die charmante Ruppigkeit der Stadt. Und hoffe, dass diese ihr erhalten bleibt.“

Jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus seinem Bereich, die nach Berlin kommen möchten, empfiehlt Tomas Bremer vor allem eins: „ Sich ein gutes Netzwerk aufzubauen und den richtigen Ort für sich zu finden, der Offenheit zulässt.“ 

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