• Prof. Dr. Gudrun Piechotta-Henze (Alice Salomon Hochschule Berlin)

Professor Dr. Gudrun Piechotta-Henze lehrt und erforscht Pflegewissenschaften an der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin). Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte ist die pflegerische Versorgung von Menschen mit Migrationserfahrungen und Demenz.

 

Brain City Berlin: Frau Piechotta-Henze, wie würden Sie Ihren Forschungsschwerpunkt beschreiben?
Wir haben in Deutschland mittlerweile eine lebenslange Gesellschaft, das heißt immer mehr Menschen erreichen ein hohes Lebensalter. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Bedarf an Unterstützung und Pflege, insbesondere wenn sich ein Demenzsyndrom zeigt. Demenz hat viele „Gesichter“. Das bedeutet, es gibt viele unterschiedliche Symptome, mit denen die betroffenen Menschen, die An- bzw. Zugehörigen und die Mitarbeiter*innen im Gesundheitsbereich umgehen müssen. Hier liegen vielfältige Aufgaben für pflegerische Ausbildungen und Studiengänge, etwa das Erlernen professioneller Kommunikation, Beratung von Angehörigen, palliative Versorgung. Einer meiner Forschungsschwerpunkte ist die pflegerische Versorgung von Menschen mit Migrationserfahrungen und Demenz.

Brain City Berlin: Welches ist der spannendste Aspekt Ihrer Forschung?
Demenz wurde lange Zeit verdrängt und wird teilweise bis heute stigmatisiert. Ohne die komplexen Herausforderungen und Probleme im Zusammenhang mit Demenzsymptomen leugnen zu wollen, finde ich es äußerst spannend, die Veränderungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu sehen – und daran mitzuarbeiten. Demenz ist heute nicht mehr tabuisiert, das Thema ist in der deutschen Gesellschaft angekommen. Das zeigt sich unter anderem an der Vielzahl von Büchern und Filmen über Menschen mit Demenz. Gleichwohl gibt  es hier noch viel zu tun. Es gilt Menschen, die von Demenz betroffen sind, als Menschen und nicht als „demente Menschen“ oder  gar als „Demente“ zu sehen. Sie sind – auch mit entsprechender Symptomatik – weiterhin selbstverständlich Mütter mit erwachsenen Kindern, berufstätige oder berentete Personen, Individuen mit Hobbys, Interessen, Vorlieben und Wünschen. Vielleicht haben sie Migrationserfahrungen oder ein Leben lang an einem Ort gewohnt. Kurzum, das Spannende an diesem Forschungsbereich ist es, Menschen und ihre individuelle Vielfalt zu fokussieren, gleichzeitig aber die Symptomatik zu kennen. Und die daraus resultierenden Versorgungsbedarfe und -bedürfnisse professionell zu gestalten.

Brain City Berlin: Was gefällt Ihnen am Leben in Berlin?
Das anregende und aufregende Kaleidoskop von beruflichen Möglichkeiten und unterschiedlichsten Menschen in der Stadt sowie der Wechsel von Stadtleben und Kultur, Wasser und Grün.

Brain City Berlin: Von welchen Kooperationen profitiert Ihre Forschung?
Es gibt eine langjährige, konstruktive Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V. , mit Einrichtungen, die im Bereich Palliative Care tätig sind und mit Migrationsorganisationen. Zudem arbeite und forsche ich sehr gerne mit Kolleg*innen anderer Berliner Hochschulen zusammen. Das gilt vor allem für die Kolleg*innen der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW).

Berlin wirbt damit, dass es eine offene und tolerante Stadt ist – und mit dieser Einstellung sollte man sich auch auf Berlin einlassen.

Brain City Berlin: Welchen Vorteil bietet Berlin gegenüber anderen Forschungsstandorten?
Die Vielzahl und Vielfalt von Wissenschaftsstandorten, von Bildungs- und Praxiseinrichtungen ermöglichen Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten interessanten und interessierten Menschen. Der Schritt zur Zusammenarbeit – über Disziplinen hinweg – fällt entsprechend leicht.

Brain City Berlin: Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für ein Studium in Berlin interessieren?
Berlin wirbt damit, dass es eine offene und tolerante Stadt ist – und mit dieser Einstellung sollte man sich auch auf Berlin einlassen. Hier gibt es unentwegt etwas Neues zu entdecken und soziale Räume laden ein, sich zu engagieren.

Brain City Berlin: Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Stadt?
Berlin wünsche ich gerechte soziale und politische Entwicklungen, die Menschen erlauben, dort zu leben und zu wohnen, wo sie sich wohlfühlen. Berlin sollte Menschen (mit und ohne Migrationserfahrungen) in vulnerablen Lebenssituationen ermöglichen, ein selbstbewusstes Leben mit hoher Lebensqualität führen zu können.

Brain City Berlin: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Berliner Wissenschaften?
Für die Zukunft der Berliner Wissenschaften wünsche ich mir, dass sie sich der Stadt und der Gesellschaft (weiter) öffnen, Menschen für Wissenschaft begeistern und zum (lebenslangen) Lernen motivieren. 

Brain City Berlin: Welche Botschaft möchten Sie der Brain City Berlin zukommen lassen?
Brain City Berlin ist ein Schritt, um Hochschulen für viele und vielfältige Menschen zu öffnen – möge er gelingen und sich in weiteren Schritten fortsetzen!

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