Technology Innovation Science Match: Einblick in die digitale Zukunft

12.03.2018 | Künstliche Intelligenz, Deep Learning und 5G: Der Technology Innovation Science Match vom 22. Februar 2018 stand ganz im Zeichen der Digitalisierung und des 90-jährigen Jubiläums des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik (HHI).

 

Neben Fachgrößen der Berliner Hochschulen und Forschungseinrichtungen waren auch internationale Koryphäen als Redner*innen im KOSMOS Berlin – und nicht zuletzt Brain City Berlin Botschafter Prof. Giuseppe Caire. Fachliche Schwerpunkte der Wissenschaftler*innen waren Mathematik, Technologie, Machine-Learning, Medien, Neurowissenschaften und Photonik.

Wissenschaftliche Fachgrößen zelebrieren das Fraunhofer HHI und Berlins Exzellenz als Forschungsstandort

 

Der Einlass in das KOSMOS Berlin begann um 8:30 Uhr. Das Interesse an der Veranstaltung war groß, das Foyer schnell gefüllt und das Catering-Team hatte alle Hände voll zu tun. Nach den ersten Kontaktaufnahmen ging es in den Hauptsaal.

Das KOSMOS Berlin (bis 1989 das größte Kino der DDR) bietet im Hauptsaal Platz für die etwa 700 Gäste. Pünktlich um 9:30 Uhr wurde der Science Match 2018 mit einem Grußwort der Veranstalter Sebastian Turner (Herausgeber des Tagesspiegels), Martin Schell und Thomas Wiegand (die Leiter des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts) eröffnet.

International renommierte Wissenschaftler*innen gewähren Einblick in ihre Forschungen

 

Zu Ehren des 90-jährigen Bestehens des Fraunhofer HHI und im Gedenken an den Namensgeber Heinrich Rudolf Hertz – dessen Konterfei das Banner der Veranstaltung zierte – wurden 24 nationale und internationale Fachgrößen als Redner*innen eingeladen.

Vier thematisch kohärente Blöcke trugen das Science Event in Berlin. Kompakt: Die Experten hatten nur zehn Minuten, um Ihren Forschungsschwerpunkt zu präsentieren.

 

Folgende Themengebiete wurden beleuchtet:

  1. Information, Video, Wireless, Optical Communications
  2. Security, Quantum Information, Haptics, Mathematics
  3. Machine Learning, Computer Vision, Neuroscience
  4. Photonic Systems and Devices
Prof. Giuseppe Caire – Brain City Berlin Botschafter

Von Massive MIMO, Human-Machine-Interaction und Reinforcement Learning: Ein Einblick in die Technologien von morgen

 

Bündelung, Zusammenführung, Verschmelzung: das Leitthema des Technology Innovation Science Match 2018. Brain City Berlin Botschafter Prof. Giuseppe Caire beendete seinen Vortrag über die Entwicklung des kabellosen Datentransfers nicht ohne Grund mit den Worten: “The age of a single system that works for everything is over.“.

MIMO (Multiple Input Multiple Output) als Übertragungssystem wird bereits für WLAN verwendet – mehrere Antennen verbinden Sender und Empfänger dabei miteinander. Doch was, wenn Datenströme immer größer und Empfänger immer mobiler werden? Massive MIMO verknüpft gleich hunderte Antennen miteinander. Die Auswirkungen: Kapazitäten werden um ein Vielfaches (womöglich um ein Tausendfaches) gesteigert, der Energieverbrauch um etwa 90% gesenkt und eine weltweite Erreichbarkeit wird keine Hürde mehr sein – 5G ist nur noch eine Frage der Zeit. Erste Feldversuche laufen bereits an und das Fraunhofer HHI in Berlin leistet als 5G Testbed Pionierarbeit.

Facebook und Google gehen voraus – Maschinen die sich selbst verbessern

 

Verschmelzen werden auch Mensch und Maschine immer weiter: Künstliche Intelligenz werde kommen, so Prof. Sepp Hochreiter von der Johannes Kepler Universität Linz, und niemand könne ihr entkommen. Big Data und Deep Learning sind inzwischen gängige Begriffe und das Machine-Learning ist unlängst publik geworden (am Beispiel von Googles „AlphaGo“ – das Programm, das 2016 Ke Jie, den Weltranglisten-Ersten Go-Spieler geschlagen hat). Doch was bedeutet diese Entwicklung?

Facebook DeepText etwa wertet tausende von Worten pro Sekunde in mehr als 20 Sprachen aus – das Wissen der Menschheit, gesammelt in Büchern und Dokumenten, steht den Maschinen offen. In Verbindung mit dem Reinforcement Learning (dem selbstständigen Lernen durch Fehleranalyse) werden immer präzisere Algorithmen möglich und die Vorhersage (Prediction) von Verhalten wird immer leichter. Die Auswirkungen zeigen sich bereits bei autonomen Fahrzeugen.

Interesse an Berlin Sciences: 700 Gäste im KOSMOS Berlin

Biotechnologie und Medizintechnik profitieren maßgeblich von den Innovationen der Berliner Forschungszentren

 

Long-Term Autonomy, Self-Navigation und Moving Car Segmentation: In Zukunft wird unser Auto den Straßenverkehr über Sensoren wahrnehmen, andere Fahrzeuge sondieren und uns völlig autonom zu unserem Ziel navigieren. AI-Systeme werden in unsere Büros, Krankenhäuser und Wohnzimmer einziehen. Menschliche Fehler werden minimiert, Systeme synchronisiert und Daten akkumuliert – so die Vision der Forscher*innen. Die Wissenschaftler*innen forschen inzwischen daran, wie man das Vertrauen der Bevölkerung in Maschinen festigen kann. Das autonome Fahrzeug etwa wird nicht einfach kommentarlos beschleunigen oder eine Spur wechseln. Ein Überholvorgang wird akustisch angekündigt und begründet – damit den Fahrgästen zu jeder Zeit bewusst ist, dass sie in guten, wenngleich nicht-menschlichen Händen sind.

Kabellose Ultraschallsonden die – vollkommen ortsunabhängig – Bilder live auf das Tablet Ihres Arztes übertragen: diese Technologie wird bereits angewandt. Prof. Christof Schütte, Präsident des Zuse-Instituts Berlin (ZIB) berichtete zudem von schmerzstillenden Mitteln, denen dank innovativer Computersimulation schädliche Nebeneffekte entzogen werden können – wie etwa das Suchtpotenzial der „Pain Relief“-Substanzen. Die Biotechnologie und die Medizintechnik in Berlin profitieren gleichermaßen von technologischen Innovationen und mit der Entwicklung von Quantencomputern zur Erfassung riesiger Datenmengen eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Beginn des Science Match 2018

Forschung von Weltrang mit Entwicklungspotenzial – Ausblick auf die technologische Entwicklung in Berlin

 

Der Technology Innovation Science Match war Lob und Warnung zugleich. Der Wissenschaftsstandort Deutschland und die Berliner Wissenschaftslandschaft sind von Weltrang und das Fraunhofer HHI ist führend in der Erforschung von optischen Kommunikationssystemen – doch was etwa die Versorgung mit Internetanschlüssen und die durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit anbelangt, ist Deutschland international weit abgeschlagen.

Die Bedeutung Berlins als Forschungsstandort wurde im Rahmen der Vorträge deutlich. Die renommierten Wissenschaftler*innen haben einen Einblick in die neuesten Technologien der digitalen Zukunft gewährt und das Fraunhofer HHI konnte als eines der Aushängeschilder der Brain City Berlin gewürdigt werden.

Das Berliner Science Event entlässt die Besucher mit Neugier: auf die Entwicklung der Wissenschaftsmetropole Berlin, auf die Zukunft der Technologie und die Veränderungen, die der wissenschaftliche Fortschritt mit sich bringen wird – Themen, die den Science Match 2019 mit Spannung erwarten lassen.